Eigentlich hatte Martin S. aus Wien (27, Name geändert) am 15. Juli auf eine entspannte Heimreise vom herrlich erholsamen Kurzurlaub in Triest gehofft. Doch der ganz bewusst umweltbewusst Reisende erlebte eine beispiellose Odyssee, die alles andere als auf Schiene lief.
Geplant war der Eurocity um 18.45 Uhr aus Udine. Der sollte noch spätabends in Wien eintrudeln, sodass er am nächsten Tag erholt arbeiten kann. Nix da: Am Bahnhof Udine lief die böse Überraschung in gelben Lettern am Bildschirm neben der Zuginfo durch: "Cancelled with replacement Bus" (Anm.: Zug fällt aus, Schienenersatzverkehr).
Laut ÖBB war eine Lok lädiert, der Zug musste gestrichen werden. "In der App bekam ich darüber aber keine Info", ärgert sich der Fahrgast. Noch ärgerlicher: der 27-Jährige – wahrlich kein Anfänger beim Reisen – verzweifelte bei der Suche nach dem Bus. "Weder Mitarbeiter am Bahnhof noch die ÖBB-Hotline konnten mir aber sagen, wo und wann der angekündigte Bus abfährt". Gemeinsam mit anderen Gestrandeten hielt er vor dem Bahnhof vergeblich Ausschau nach dem Ersatzbus.
Da ging auch noch der Handyakku zu Neige, alle Bahnhofs-Lokale waren dicht, die Automaten nahmen nur Bares. Als einzige verfügbare Verpflegung blieben dem Wiener noch die Mitbringsel im Rucksack: "Olivencracker und Olivenpaste". Andere Fahrgäste gaben entnervt auf und buchten sich Hotels.
Doch der Wiener entschied sich für das Abenteuer Nightjet – der kam schließlich mit 110 Minuten Verspätung. "Aus Angst, dass auch dieser Zug ausfallen könnte, hatte ich mir sogar noch ein Flixbus-Ticket gekauft – das ersetzt mir natürlich niemand."
Unangenehm: "Ich wurde mitten in der Nacht noch aus dem Schlaf gerissen, weil der Schaffner dachte, ich sei am falschen Platz", erinnert sich der 27-Jährige, der nach Umstieg in Salzburg um 4:40 Uhr erst um 07.38 Uhr in Wien ankam. "An Arbeiten war danach nicht mehr zu denken. Ich musste mir einen Urlaubstag extra nehmen, den mir niemand zurückgibt", beklagt er die "fehlende Kommunikation" des ÖBB-Konzerns.
Die ÖBB bedauern auf "Heute"-Anfrage das unangenehme Reiseerlebnis des Passagiers, verweisen jedoch darauf, dass der Passagier ursprünglich seine Fahrt, die 24 Stunden gültig war, für einen Tag früher reserviert hatte. Daher erreichten ihn die Infos über den Ausfall nicht per App.
Und: "Sechs Ersatzbusse sind definitiv gefahren." Möglicherweise habe der Passagier und seine acht Mitreisenden nicht am richtigen Platz auf den Bus gewartet? Fakt ist: Auch bei der Bahn rumpelt es hin und wieder. Das Ticket für den Nightjet wird Martin S. jedenfalls ersetzt.