Elektro, Diesel oder doch Benziner? Wer sich aktuell einen neuen BMW X3 in die Garage stellen möchte, hat die Qual der Wahl. Für viele dürfte allerdings der X3 30e xDrive genau der Sweet Spot sein. Denn der Plug-in-Hybrid verbindet einen klassischen Benziner mit einem kräftigen Elektromotor und schafft damit einen ziemlich gelungenen Spagat zwischen Alltag, Langstrecke und Fahrspaß.
Unter der Haube arbeitet ein 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 190 PS und 310 Nm. Unterstützt wird er von einem 184 PS starken Elektromotor mit 250 Nm. Gemeinsam liefert das System 299 PS und 450 Nm Drehmoment an alle vier Räder.
Damit geht es trotz eines Gewichts von knapp 2,2 Tonnen in 6,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Erst bei 215 km/h ist Schluss.
Die Batterie verfügt über einen Energieinhalt von 19,7 kWh. Im Alltag sind damit rund 80 Kilometer rein elektrisch möglich. Und weil der X3 im E-Modus bis zu 140 km/h schnell fahren kann, muss der Benziner selbst auf der Autobahn nicht zwingend anspringen.
Geladen wird mit bis zu 11 kW Wechselstrom. Eine komplette Ladung dauert rund 2 Stunden und 15 Minuten. Wer zu Hause oder am Arbeitsplatz regelmäßig laden kann, dürfte viele alltägliche Strecken damit komplett elektrisch zurücklegen.
BMW gibt einen kombinierten Verbrauch von 3,3 Litern auf 100 Kilometer an. Solche Werte sind mit voller Batterie auf den ersten 100 Kilometern durchaus machbar. Ist der Akku nach rund 80 Kilometern jedoch leer, sieht die Sache naturgemäß anders aus.
Dann genehmigte sich der X3 in unserem Test rund 8 Liter auf 100 Kilometer. Angesichts von knapp 300 PS, Allradantrieb und mehr als zwei Tonnen Gewicht ist das immer noch ein fairer Kompromiss. Und mit seinem 50-Liter-Tank sind selbst mit leerem Akku mehr als 600 Kilometer Reichweite drin.
Mit knapp 4,76 Metern Länge ist der X3 mittlerweile ein stattliches Auto. Das merkt man auch beim Platzangebot. Vorne wie hinten gibt es ausreichend Bewegungsfreiheit und auch längere Reisen mit vier Personen sind kein Problem.
Der Kofferraum schluckt 460 Liter, bei umgelegter Rückbank sind bis zu 1.600 Liter möglich. Für den klassischen Familienurlaub reicht das allemal. Wer mehr Platz braucht, muss beim reinen Verbrenner bleiben: der bietet nämlich 110 Liter mehr.
Auch die Sitze gehören wieder einmal zu den großen Stärken. Ergonomie und Langstreckenkomfort passen hervorragend. Die optionale Sitzbelüftung möchten wir gerade im Sommer nicht mehr missen. Darüber spannt sich ein riesiges Panorama-Glasdach. Schade nur: Öffnen lässt es sich nicht mehr.
Beim Cockpit setzt BMW auf zwei große Displays mit gestochen scharfer Darstellung. Die Bedienung ist logisch aufgebaut und funktioniert nach kurzer Eingewöhnung problemlos.
Und dann ist da noch das iDrive. Der klassische Dreh-Drück-Steller in der Mittelkonsole ist unserer Meinung nach schlichtweg eine der besten Bedienlösungen auf dem gesamten Automarkt – Punkt!
Während andere Hersteller beinahe jede Funktion in Touchscreens verbannen, lässt sich der BMW damit auch während der Fahrt intuitiv bedienen.
Ganz ohne Kritik kommt der Innenraum allerdings nicht davon. Sitze und Lenkrad fühlen sich hochwertig an, bei einigen anderen Materialien sieht es anders aus.
Vor allem die harten Kunststoffe an Teilen der Türverkleidungen passen für uns nicht so recht zu einem Premium-SUV dieser Preisklasse. Generell entsteht an manchen Stellen der Eindruck, dass BMW bei der Materialgüte den Rotstift angesetzt hat.
Natürlich kann man argumentieren, dass zunehmend recycelte Materialien wie aufbereitete PET-Kunststoffe zum Einsatz kommen. Trotzdem wissen wir: BMW kann das besser.
Genug gemeckert. Denn spätestens auf einer kurvigen Landstraße erinnert der X3 daran, warum BMW bei Fahrwerken seit Jahrzehnten einen ausgezeichneten Ruf genießt.
Der Spagat zwischen Komfort und Sportlichkeit ist den Ingenieuren erneut hervorragend gelungen. Das adaptive Fahrwerk passt die Dämpfung an die jeweilige Situation an. Wer es dynamischer möchte, wechselt in den Sport-Modus und bekommt eine spürbar straffere Abstimmung.
Trotz seines hohen Gewichts fährt sich der X3 erstaunlich neutral. Er lenkt präzise ein, bleibt souverän und versteckt seine knapp 2,2 Tonnen erstaunlich gut. Kurz gesagt: So muss sich ein BMW-SUV fahren.
Auch bei den elektronischen Helfern gibt sich der X3 kaum eine Blöße. Besonders hervorzuheben ist der Driving Assistant Professional.
Das System berücksichtigt vorausliegende Kurven, Kreuzungen, Ampeln und andere Fahrzeuge und kann die Rekuperation entsprechend anpassen. Dadurch wird nicht nur Energie zurückgewonnen, sondern gleichzeitig die mechanische Bremse geschont.
Dazu kommen unter anderem Matrix-LED-Scheinwerfer, Parkautomatik und 360-Grad-Kamera. An Technik mangelt es dem X3 definitiv nicht. Und wer mit dem Familien-SUV auch einen Wohnwagen oder Anhänger bewegen möchte: Bis zu zwei Tonnen Anhängelast sind möglich.
Preislich startet der X3 30e bei rund 69.500 Euro. Angesichts von 299 PS, Allradantrieb und Plug-in-Hybrid-Technik klingt das für einen BMW dieser Größe zunächst sogar überraschend fair. Das Problem beginnt – wie so oft – im Konfigurator. Ein paar Häkchen bei den begehrten Extras gesetzt und schon bewegt sich der Listenpreis in Richtung 85.000 Euro. Zum Glück gibt es ja noch das Leasing ...
BMW hat es wieder einmal geschafft: Der X3 ist groß genug für die Familie, komfortabel auf der Autobahn und gleichzeitig ein SUV, mit dem man auf einer kurvigen Landstraße tatsächlich Spaß haben kann. Die Front erinnert uns dabei ein wenig an den alten 5er der Baureihe E60 – das ist durchaus ein Kompliment.
Der Plug-in-Hybrid ist dabei vielleicht die interessanteste Variante der Baureihe. Wer regelmäßig lädt, kann einen Großteil des Alltags elektrisch erledigen. Auf der Langstrecke gibt es dagegen weder Reichweiten- noch Ladeangst und die knapp 300 PS obendrauf.
Nur bei der Materialqualität im Innenraum sollte BMW bei einem Auto dieser Preisklasse wieder etwas großzügiger werden. Ansonsten trifft der X3 30e ziemlich genau den Sweet Spot eines echten BMW-SUV: praktisch, schnell, komfortabel – und vor allem fährt er sich so, wie man es von einem BMW erwartet.