BMW schlägt ein neues Kapitel auf. Mit dem iX3 der "Neuen Klasse" haben die Münchner nicht nur ein neues Elektroauto, sondern ein komplett neues Fahrzeugkonzept auf die Räder gestellt. Design, Technik und Fahrgefühl wurden von Grund auf neu entwickelt. "Heute" konnte den iX3 nun exklusiv fahren.
Es ist die wohl größte Modelloffensive in der Geschichte der BMW Group. Der neue BMW iX3 ist das erste Serienmodell der "Neuen Klasse" und legt den Grundstein für alle künftigen BMW-Modelle legen – unabhängig davon, ob sie elektrisch oder mit Verbrennungsmotor angetrieben werden. Schon auf den ersten Blick wird klar: Dieser BMW ist anders.
Die in den vergangenen Jahren oft kritisierte XXL-Niere gehört der Vergangenheit an. Stattdessen setzt BMW auf eine deutlich kleinere, vertikale Interpretation des legendären Kühlergrills der "Neuen Klasse" aus den 1960er-Jahren. Zusammen mit der horizontalen Lichtsignatur entsteht ein völlig neues Gesicht, das dennoch sofort als BMW erkennbar ist.
Chrom verschwindet vollständig. Statt glänzender Zierleisten übernehmen nun beleuchtete Elemente die Inszenierung der Front. BMW spricht von einem klaren, reduzierten und gleichzeitig charakterstarken Design. Ob die Optik gefällt, dürfte allerdings noch lange für Diskussionen sorgen.
Noch deutlicher fällt der Wandel im Innenraum aus. BMW verabschiedet sich vom klassischen Cockpit und führt mit dem BMW Panoramic iDrive ein völlig neues Bedienkonzept ein.
Die wichtigsten Fahrinformationen werden über eine breite Projektionsfläche direkt in die Frontscheibe eingeblendet. Ergänzt wird das System durch einen zentralen Touchscreen, der erstmals ausschließlich für die Bedienung per Hand entwickelt wurde. Der legendäre iDrive-Drehregler verschwindet damit nach mehr als zwei Jahrzehnten endgültig aus den BMW-Modellen.
Das neue Betriebssystem trägt den Namen BMW Operating System X. Das macht seinen Job hervorragend – die Bedienung lässt keine Fragen offen.
Unter dem Blech hat BMW praktisch alles neu entwickelt. Herzstück ist eine völlig neue Elektronik- und Softwarearchitektur, die den Kabelbaum deutlich vereinfacht und das Fahrzeug effizienter macht.
Vier Hochleistungsrechner – von BMW als "Superbrains" bezeichnet – verarbeiten die Daten bis zu 20-mal schneller als bisherige Steuergeräte.
Besonders wichtig ist dabei das "Heart of Joy". Gemeinsam mit der neuen Software BMW Dynamic Performance Control steuert es Antrieb, Lenkung, Rekuperation und Fahrwerk praktisch in Echtzeit. Der iX3 fährt, lenkt und bremst dadurch überaus präzise – typisch BMW eben.
Auch beim Elektroantrieb legt BMW kräftig nach. Die sechste Generation des BMW eDrive arbeitet erstmals mit neuen Rundzellen-Batterien und einer 800-Volt-Architektur. An Schnellladesäulen sind Ladeleistungen von bis zu 400 kW möglich.
In nur zehn Minuten sollen dadurch bis zu 372 Kilometer Reichweite nachgeladen werden können. Insgesamt verspricht BMW für den iX3 eine WLTP-Reichweite von bis zu 805 Kilometern.
Im realen Leben haben wir auf der Autobahn (130 km/h) 19 kWh verbraucht und sind 560 Kilometer weit gekommen. In Stadt-Land-Mix schafft man sogar über 630 Kilometer. Der Langzeitverbrauch bei 9.200 Kilometer betrug 20,4 kWh, was eine reale Reichweite von 520 Kilometer ausmacht.
Mit Plug & Charge Multi Contract können bis zu zehn verschiedene Ladetarife im Fahrzeug hinterlegt werden. Das Auto authentifiziert sich an der Ladesäule automatisch, auch die Bezahlung erfolgt ohne App oder Ladekarte. Zusätzlich unterstützt der iX3 bidirektionales Laden. Damit kann das Fahrzeug auch als mobiler Stromspeicher genutzt werden.
Schon nach wenigen Kilometern wird klar: Trotz eines Gewichts von rund 2,4 Tonnen fährt sich der neue iX3 überraschend leichtfüßig.
Das liegt vor allem am neuen Heart of Joy, das Antrieb und Fahrwerk permanent miteinander vernetzt. Richtungswechsel gelingen erstaunlich präzise, das Fahrzeug wirkt deutlich kleiner und leichter, als es tatsächlich ist.
Vor allem die Fahrdynamik überrascht. Der iX3 lenkt spontan ein, bleibt in Kurven lange neutral und vermittelt genau jenes BMW-Gefühl, das viele Elektro-SUV bislang vermissen ließen.
Ein echtes Highlight ist zudem das neue Bremssystem. Im Alltag verzögert das Fahrzeug nahezu ausschließlich über die Rekuperation. BMW spricht davon, dass rund 98 Prozent aller Bremsvorgänge ohne klassische Radbremsen erfolgen können. Vom Gefühl her wurden tatsächlich 90 Prozent der Bremsvorgänge mit der Rekuperation durchgeführt. Die Stahlbremse ist also eigentlich nur noch eine Absicherung für Notfälle.
Das Ergebnis ist beeindruckend: Der Übergang zwischen Rekuperation und mechanischer Bremse ist praktisch nicht mehr spürbar. Das Fahrzeug kommt außergewöhnlich sanft zum Stillstand – gleichzeitig sinkt der Energieverbrauch, was wiederum der Reichweite zugutekommt.
Auch beim Raumangebot setzt der iX3 neue Maßstäbe. Der Innenraum wirkt außergewöhnlich luftig und bietet sogar mehr Platz als der aktuelle BMW X5, obwohl dieser eine Fahrzeugklasse höher positioniert ist.
Besonders die neue Panoramic Vision verleiht dem Cockpit eine futuristische Atmosphäre. Anfangs ist die Bedienung zwar gewöhnungsbedürftig, nach kurzer Zeit freundet man sich mit dem neuen Anzeigeformat an. Das geniale iDrive aus früheren Modellen gibt es aber gar nicht mehr.
Ganz perfekt ist der erste Eindruck dennoch nicht. Während der Testfahrt fiel ein klapperndes Geräusch aus dem hinteren Innenraumbereich auf. Vieles deutet darauf hin, dass die Geräusche vom Glasdach beziehungsweise dessen Abdeckung stammen könnten. Hier muss BMW also noch nachbessern.
Mit dem iX3 gelingt BMW ein bemerkenswerter Neustart. Ein Elektro-SUV mit dieser Kombination aus Reichweite, Ladegeschwindigkeit, Fahrdynamik und Komfort gab es bislang nicht.
Vor allem das Heart of Joy macht einen enormen Unterschied: Trotz seines hohen Gewichts fährt sich der iX3 überraschend agil, präzise und emotional – genau so, wie man es von einem BMW erwartet.
Die Optik dürfte zwar weiterhin polarisieren, technisch setzt der iX3 jedoch neue Maßstäbe, das steht außer Frage. Aus unserer Sicht ist dieses E-SUV ein großer Wurf – nicht nur für BMW selbst – sondern für die gesamte deutsche Autoindustrie.