Obwohl der sogenannte Kilometerstandbetrug seit Jahren bekannt ist, ist die Masche laut einer aktuellen Untersuchung des IT-Datenunternehmens carVertical nach wie vor weit verbreitet. Wer auf ein manipuliertes Fahrzeug hereinfällt, zahlt nicht nur deutlich zu viel, sondern kauft häufig auch ein Auto mit wesentlich höherem Verschleiß als angenommen.
Besonders drastisch fällt das Ergebnis in Deutschland aus. Dort erhöht ein zurückgedrehter Kilometerstand den Fahrzeugwert im Schnitt um 49,3 Prozent. Ein Gebrauchtwagen, der um 20.000 Euro verkauft wird, könnte in Wahrheit nur rund 13.500 Euro wert sein.
"Durch das Zurückdrehen des Kilometerzählers können unehrliche Verkäufer den Eindruck erwecken, dass sich ein Fahrzeug in einem besseren Zustand befindet, als es tatsächlich der Fall ist", erklärt Automobilexperte Matas Buzelis von carVertical. Vor allem Käufer neuerer Premium-Gebrauchtwagen seien von dieser Betrugsmasche betroffen.
Laut Studie wiesen 1,7 Prozent aller in Deutschland überprüften Fahrzeuge einen manipulierten Kilometerstand auf. Im Durchschnitt wurden dabei 34.400 Kilometer vom tatsächlichen Wert entfernt.
In Belgien, wo der Fahrzeugwert durch Kilometerstandbetrug im Schnitt um 47,2 Prozent steigt, waren sogar 2,3 Prozent der überprüften Fahrzeuge betroffen. Dort wurden durchschnittlich 38.500 Kilometer zurückgedreht.
Innerhalb Europas zeigen sich deutliche Unterschiede. Während Deutschland, Belgien und Frankreich besonders stark betroffen sind, sind die Auswirkungen in Serbien, Rumänien und der Ukraine deutlich geringer.
In Serbien wurden zwar häufiger manipulierte Fahrzeuge entdeckt – nämlich bei 3,9 Prozent der überprüften Autos –, der Preis stieg dadurch im Schnitt aber "nur" um 9,3 Prozent. Dort wurden die Fahrzeuge im Durchschnitt sogar um 53.500 Kilometer "verjüngt".
Experte Buzelis empfiehlt Käufern dringend, vor dem Kauf die Fahrzeughistorie überprüfen zu lassen. Nur so lasse sich feststellen, ob der Kilometerstand tatsächlich stimmt oder bereits manipuliert wurde. Denn die Folgen reichen weit über einen zu hohen Kaufpreis hinaus.
"Wer ein Auto mit manipuliertem Kilometerstand kauft, zahlt nicht nur zu viel, sondern muss oft mit häufigeren Pannen, höheren Wartungskosten und im schlimmsten Fall sogar mit Sicherheitsrisiken rechnen", warnt Buzelis.
Gerade weil Deutschland jährlich rund zwei Millionen Gebrauchtwagen in andere EU-Staaten exportiert, fordert der Experte einen besseren internationalen Austausch von Fahrzeugdaten. Nur so könne Kilometerstandbetrug künftig wirksamer bekämpft werden.