Gerade noch war die Motorhaube sauber, nach ein paar Stunden unter freiem Himmel prangt plötzlich ein weißer Fleck darauf. Einmal ärgern, später wegwischen – denken sich wohl viele Autofahrer. Doch genau damit sollte man besser nicht zu lange warten: Vogelkot ist nicht nur unappetitlich, sondern kann dem Autolack tatsächlich zusetzen.
Wie aggressiv Vogelkot für Autolack sein kann, zeigte unter anderem ein Versuch des VOX-Automagazins "Auto mobil". Dabei wurde eine Motorhaube mit Sonnencreme, Baumharz und Pankreatin behandelt. Letzteres wird bei Materialtests als Ersatz für Vogelkot eingesetzt.
Anschließend wurden die behandelten Stellen fünf Tage lang jeweils acht Stunden Wärme und UV-Licht ausgesetzt. Alle drei Substanzen hinterließen Spuren – die stärksten Schäden verursachte jedoch der Vogelkot-Ersatz. Nach fünf Tagen reichte eine gewöhnliche Reinigung nicht mehr aus. Die beschädigte Stelle musste abgeschliffen werden. Auch der ADAC warnt davor, Vogelkot längere Zeit auf dem Fahrzeug zu lassen. Im schlimmsten Fall kann die Verunreinigung die Lackschichten stark angreifen.
Vogelkot enthält Harn- und andere Säuren, Eiweißabbauprodukte und oft auch Sandkörner, erklärt der ADAC in einem aktuellen Ratgeber. Besonders bei Hitze reichen schon zehn bis 20 Minuten, damit die oberste Klarlackschicht angegriffen wird. Auch Forschende haben sich das angeschaut: Im "Journal of Coatings Technology and Research" steht, dass Verdauungsenzyme im Vogelkot eine chemische Zersetzung des Klarlacks auslösen können.
Wird der Lack durch die Sonne aufgeheizt, laufen diese chemischen Prozesse noch schneller ab. Gleichzeitig dehnt sich die Lackschicht aus, und die Bestandteile vom Vogelkot können tiefer eindringen. Zurück bleiben oft weiße Ränder, matte Stellen oder im schlimmsten Fall sogar Risse.
Doch Vorsicht: Schnell ein Taschentuch aus der Hosentasche holen und den Fleck kräftig wegrubbeln, ist ebenfalls keine gute Idee. Vogelkot kann Sandkörner und andere harte Partikel enthalten. Werden diese trocken über den Lack gezogen, können sie wie feines Schleifmittel wirken und Kratzer hinterlassen. Aus einem Fleck wird so im schlimmsten Fall erst durch die Reinigung ein zusätzlicher Lackschaden. Harte Bürsten, raue Küchenschwämme und kräftiges Schrubben sind deshalb tabu.
Bei frischen Verschmutzungen hilft häufig bereits reichlich Wasser. Der Kot sollte möglichst abgespült werden, ohne ihn mit Druck über die Oberfläche zu reiben. Ist der Fleck bereits eingetrocknet, braucht es etwas Geduld. Ein weiches Tuch oder saugfähiges Papier mit warmem Wasser tränken, auf die betroffene Stelle legen und einige Minuten einwirken lassen. Dadurch kann die Verschmutzung aufweichen.
Anschließend mit ausreichend Wasser abspülen und verbliebene Reste vorsichtig abtupfen. Dabei gilt: Je weniger Reibung, desto besser für den Lack.