Ein echter Kurvenjäger

Hyundai IONIQ 6 – die Elektro-Überraschung des Jahres

Das neue Design des IONIQ 6 wirkt stimmiger, der Innenraum punktet mit klassischen Tasten. Die größte Überraschung wartet jedoch auf der Landstraße.
Maxim Zdziarski
13.09.2026, 12:20
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Beim ersten Hyundai IONIQ 6 schieden sich am Design die Geister. Technisch war der elektrische Koreaner schon damals beeindruckend, optisch musste man sich mit der ungewöhnlichen Stromlinienform aber erst einmal anfreunden.

Mit dem Facelift hat Hyundai nun genau an den richtigen Stellen angesetzt. Die Grundform bleibt unverkennbar, doch vor allem die deutlich schmaleren Scheinwerfer und Tagfahrleuchten lassen die Front wesentlich stimmiger wirken.

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Auch am Heck wurde aufgeräumt. Der auffällige zusätzliche Spoiler des Vorgängers ist verschwunden. Stattdessen gibt es einen eleganteren "Ducktail"-Spoiler, der hervorragend zur fließenden Karosserie passt. Das Ergebnis wirkt ruhiger, sportlicher und erwachsener.

Mit einem cw-Wert von nur 0,21 ist der knapp 4,93 Meter lange IONIQ 6 außerdem weiterhin eines der aerodynamischsten Autos auf dem Markt. Aktive Luftklappen an der Front helfen zusätzlich dabei, den Luftwiderstand niedrig zu halten.

Endlich noch echte Knöpfe!

Eine echte Wohltat wartet im Innenraum. Während andere Hersteller mittlerweile selbst einfachste Funktionen in irgendwelchen Touchscreen-Untermenüs verstecken, hält Hyundai an zahlreichen klassischen Tasten und Schaltern fest.

Und das gefällt uns ausgesprochen gut. Man muss nicht für jede Kleinigkeit auf einem Bildschirm herumtippen, sondern kann wichtige Funktionen auch während der Fahrt intuitiv bedienen. Eigentlich selbstverständlich – mittlerweile aber schon eine Seltenheit.

Hyundai IONIQ 6 (2026)
Hyundai

Dazu kommen zwei 12,3-Zoll-Bildschirme, ein Head-up-Display und je nach Ausstattung ein Bose-Soundsystem. Verarbeitung und Materialqualität hinterlassen ebenfalls einen sehr guten Eindruck. Die belüfteten Ledersitze sind bequem und auch auf langen Strecken angenehm.

Hyundai setzt außerdem auf zahlreiche nachhaltigere Materialien. Unter anderem kommen recyceltes PET, Bio-Materialien und sogar Teppiche aus recycelten Fischernetzen zum Einsatz.

Riesiger Radstand bringt viel Platz

Der 2,95 Meter lange Radstand macht sich vor allem im Fond bemerkbar. Die Beinfreiheit ist enorm und auch groß gewachsene Passagiere können hinten entspannt längere Strecken zurücklegen. Lediglich die stark abfallende Dachlinie fordert ihren Tribut und schränkt die Kopffreiheit für Personen ab 1,85 Meter etwas ein.

Der Kofferraum fasst 401 Liter. Vorne gibt es zusätzlich einen Frunk mit bis zu 45 Litern beim Hecktriebler. Die Allradversion bietet aufgrund des zweiten Elektromotors vorne immerhin noch 14,5 Liter.

325 PS und 605 Nm

Unser Favorit ist die Variante mit großem 84-kWh-Akku und Allradantrieb. Ein 74-kW-Motor vorne und ein 165-kW-Elektromotor hinten liefern gemeinsam 325 PS und satte 605 Nm Drehmoment. Damit geht es in nur 5,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Bei 185 km/h ist Schluss.

Das klingt schon sehr sportlich. Wie viel Spaß der IONIQ 6 tatsächlich macht, verrät das Datenblatt allerdings nicht.

Dieser Hyundai ist ein Kurvenjäger

Denn die mit Abstand größte Überraschung des Tests ist das Fahrverhalten. Das Fahrwerk ist vergleichsweise straff abgestimmt und dank des tief im Fahrzeugboden verbauten Akkus liegt der Schwerpunkt niedrig.

Das Ergebnis: Der fast fünf Meter lange Stromer lässt sich erstaunlich dynamisch über kurvige Landstraßen bewegen. Einlenkverhalten, Fahrwerk und Leistungsentfaltung harmonieren derart gut, dass man freiwillig den längeren Weg nach Hause nehmen möchte.

Hier merkt man die Entwicklungsarbeit, die Hyundai in den vergangenen Jahren in seine Fahrwerke gesteckt hat. Einen wesentlichen Anteil an diesem Wandel hatte Albert Biermann. Der deutsche Ingenieur wechselte nach rund 30 Jahren bei BMW, darunter viele Jahre bei der M GmbH, 2014 zum Hyundai-Konzern.

Und beim IONIQ 6 ist diese sportliche Handschrift deutlich zu spüren. So viel Fahrdynamik hätten wir dem Koreaner vor der Fahrt nicht zugetraut.

Bis zu 650 Kilometer Reichweite

Dabei beherrscht der Hyundai auch die klassischen Elektroauto-Disziplinen. Mit dem großen Akku sind je nach Bereifung bis zu 650 Kilometer WLTP-Reichweite möglich. Mit den optisch attraktiveren 20-Zöllern sind es bis zu 595 Kilometer. Im "Heute"-Test schafften wir auf der Autobahn mit 20 kWh Verbrauch über 400 Kilometer. Abseits der Autobahn knackt man sogar die magische 500 Kilometer Schallmauer.

Die 800-Volt-Technologie bleibt eines der großen Argumente für den IONIQ 6. An einer entsprechend leistungsfähigen Schnellladesäule dauert der Sprung von 10 auf 80 Prozent nur rund 18 Minuten (Ladepeak bei 350 kW).

Mit Regenerative Braking 3.0 kann der Hyundai außerdem Radar- und Navigationsdaten nutzen, um die Rekuperation automatisch an die jeweilige Fahrsituation anzupassen.

Vollgepackt mit Technik

Auch bei den Assistenzsystemen lässt Hyundai kaum Wünsche offen. Je nach Ausstattung sind unter anderem Matrix-LED-Scheinwerfer, Autobahnassistent, City-Abbiege- und Kreuzungsassistent, navigationsbasierte Geschwindigkeitsregelung und eine hochauflösende 360-Grad-Kamera an Bord. Sieben Airbags inklusive eines zentralen Airbags zwischen Fahrer und Beifahrer sollen im Ernstfall zusätzlichen Schutz bieten.

Von 35.490 bis knapp 55.000 Euro

Preislich startet der neue IONIQ 6 bei 35.490 Euro. Dafür gibt es allerdings zunächst die Basisversion mit 152 PS und Heckantrieb.

Wer sich im Konfigurator austobt und zur Prestige Line, zum großen Akku, Allradantrieb mit 325 PS sowie zum elektrischen Glasschiebedach greift, landet nach Abzug der Hyundai-Boni bei 54.670 Euro (Listenpreis: 66.160 Euro). Das ist natürlich deutlich mehr als der Einstiegspreis. Angesichts von Ausstattung, Reichweite, 800-Volt-Ladetechnik und vor allem der gebotenen Fahrdynamik wirkt der Preis aber mehr als fair.

Fazit: Unsere Überraschung des Jahres

Der überarbeitete IONIQ 6 zeigt eindrucksvoll, dass ein modernes Elektroauto nicht drei riesige Touchscreens und den völligen Verzicht auf Knöpfe braucht. Gute Verarbeitung, viel Platz, echte Bedienelemente, enorme Ladeleistung und hohe Reichweiten machen den Koreaner zu einem echten Geheimtipp am Elektroauto-Markt.

Das Facelift beseitigt gleichzeitig einen der größten Kritikpunkte des Vorgängers: Das Design wirkt nun deutlich harmonischer.

Vor allem müssen wir dem IONIQ 6 aber eines lassen: Er ist bislang die Überraschung des Jahres im "Heute"-Test. So viel Fahrspaß hätten wir dem großen Stromer schlichtweg nicht zugetraut. Der Hyundai macht auf einer kurvigen Landstraße richtig Laune – und beweist dabei, dass Fahrspaß auch ohne Motorengeräusch funktionieren kann.

zdz,13.09.2026, 12:20
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