Eine zerdrückte Plastikflasche am Autoreifen wirkt auf den ersten Blick harmlos. Auf Parkplätzen kann dahinter aber mehr stecken: Laut Berichten nutzen Diebe den Gegenstand, um Autofahrerinnen und Autofahrer gezielt abzulenken.
Der Trick ist simpel. Die Flasche wird zwischen Reifen und Kotflügel geklemmt, häufig auf der Beifahrerseite. Beim Losfahren wird sie vom Reifen erfasst. Das laute Knacken oder Knallen kann wie eine Panne klingen. Viele halten instinktiv an und steigen aus.
Genau diesen Moment sollen Täter ausnutzen. Bleibt der Motor laufen oder liegen Wertgegenstände sichtbar im Wagen, kann ein Komplize innerhalb weniger Sekunden zugreifen. Im schlimmsten Fall verschwindet nicht nur eine Tasche oder ein Handy, sondern gleich das ganze Auto.
Die argentinische Zeitung "Cronista" berichtete zuletzt über die Masche, "Auto Bild" warnte bereits 2023 davor. Der Trick wird als Ablenkungsmasche beschrieben. Belastbare Fallzahlen für Österreich oder Deutschland liegen allerdings nicht vor: "Es existiert keine einzige Anzeige in Deutschland diesbezüglich", betont Sicherheitsexperte Lothar Schirmer gegenüber CHIP.
Besonders geeignet sind dafür belebte Parkplätze vor Supermärkten, Einkaufszentren oder anderen stark frequentierten Orten. Dort können Täter unauffällig agieren, während rundherum viel Bewegung herrscht. Eine Flasche am Radkasten fällt beim Einsteigen oft nicht auf, weil das Auto meist nicht vollständig umrundet wird.
Wichtig ist daher ein kurzer Blick rund ums Fahrzeug. Verdächtige Gegenstände am Reifen oder im Radkasten sollten vor dem Losfahren entfernt werden. Bei einem ungewöhnlichen Geräusch gilt: nicht hektisch reagieren, sondern an einem sicheren Ort anhalten, Motor abstellen und erst dann nachsehen.
Die zentrale Regel bleibt: "Ruhe bewahren." Außerdem sollten Taschen, Geldbörsen, Smartphones und andere Wertgegenstände nicht sichtbar im Auto liegen.
Auch andere Ablenkungsmanöver sind möglich, viele davon laut Schirmer sogar mit größeren Erfolgschancen: vorgetäuschte Pannen, kleine Rangierunfälle oder angebliche Hilferufe sollen Fahrzeughalter aus dem Auto locken.