6,89 kWh auf 100 Kilometer, ein cW-Wert von 0,158 und fast 1.300 Kilometer mit nur einem Ladestopp: Volkswagen zeigt mit dem Mission Efficiency, wie extrem sparsam ein Elektroauto sein kann. Serienauto ist die Studie zwar nicht – technisch steckt aber erstaunlich viel Großserie darin.
Ein Elektroauto, das aussieht, als hätte man einen Sportwagen mit einem Wassertropfen gekreuzt – und dabei weniger Strom braucht als viele E-Autos allein beim Gedanken an die Autobahn. Genau das ist der neue Volkswagen Mission Efficiency.
Die Studie aus Wolfsburg hat gleich mehrere Rekorde aufgestellt. Besonders beeindruckend ist der Luftwiderstand: Mit einem cW-Wert von nur 0,158 soll der Mission Efficiency aerodynamischer sein als jedes andere bislang für den Straßenverkehr zugelassene Auto. Und Volkswagen beließ es nicht bei Computersimulationen.
cW-Wert von 0,158
Verbrauch: 6,89 kWh/100 km im Realbetrieb ohne Ladeverluste
Rekordfahrt: 1.278 km von Wolfsburg nach Wien mit nur einem Ladestopp
Batterie: 54,9 kWh netto
Motor: 99 kW / 135 PS, Frontantrieb
Vmax: 160 km/h
0-100 km/h: 9,0 s
Solarzellen: 370-Watt-Photovoltaik auf Dach und Heckklappe
Reichweite: Solarzellen können bis zu 30 km zusätzliche Reichweite pro Tag ermöglichen
Für den vielleicht eindrucksvollsten Test schickte Volkswagen den Mission Efficiency auf die Straße. Von Wolfsburg ging es über Poznań in Polen und Olmütz in Tschechien bis nach Wien.
1.278,36 Kilometer legte das Auto dabei zurück. Der durchschnittliche Verbrauch lag bei 6,89 kWh pro 100 Kilometer – Ladeverluste nicht eingerechnet. Inklusive Ladeverlusten waren es 7,51 kWh. Geladen wurde unterwegs nur einmal.
Bei der Ankunft in Wien zeigte der Mission Efficiency sogar noch eine rechnerische Restreichweite von 164 Kilometern an. Gefahren wurde mit durchschnittlich 67,72 km/h, maximal waren 138 km/h drin.
Zum Vergleich: Bei einer sogenannten Idealfahrt, also ohne Steigungen, mit konstanten 68 km/h und abgeschalteten Nebenverbrauchern, kam die Studie sogar auf 6,48 kWh/100 km.
Das Geheimnis liegt allerdings nicht in einer riesigen Batterie. Im Gegenteil: Volkswagen setzt auf einen vergleichsweise kleinen Akku mit 54,9 kWh netto. Der entscheidende Faktor ist die Karosserie.
Der Mission Efficiency ist nur 1,39 Meter hoch, dafür stolze 4,78 Meter lang. Die Silhouette läuft nach hinten immer weiter zusammen. Volkswagen orientiert sich dabei unter anderem am legendären XL1, der bereits vor Jahren mit extrem niedrigem Verbrauch für Aufsehen sorgte.
Auch die Hinterräder sind komplett verkleidet. Der Unterboden ist glatt, die Türgriffe fahren elektrisch aus und verschwinden anschließend wieder in der Karosserie. Selbst die rahmenlosen Seitenscheiben wurden unter dem Gesichtspunkt der Aerodynamik umgesetzt.
Und dann gibt es noch drei aktive Kühlluftklappen an der Front. Sie öffnen nur so weit, wie es gerade notwendig ist. Muss keine zusätzliche Luft zur Kühlung durch die Front, bleibt die Öffnung praktisch geschlossen. Alles, was Luft bremsen könnte, wird vermieden.
Besonders spannend wird der Vergleich mit dem kommenden ID. Polo. Denn der Mission Efficiency ist kein komplett eigenständiger Technologieträger. Unter der extremen Karosserie steckt viel Großserientechnik.
Volkswagen übernimmt unter anderem den 99 kW (135 PS) starken Elektromotor, die Batterie sowie Teile von Vorder- und Hinterachse. Technisch basiert das Fahrzeug auf dem MEB+ mit Frontantrieb.
Der Unterschied zeigt sich vor allem bei höherem Tempo. Ab etwa 80 km/h soll der Mission Efficiency gegenüber der Serienversion des ID. Polo mehr als 30 Prozent weniger Energie benötigen.
Noch drastischer formuliert es Volkswagen selbst: Bei 140 km/h verbraucht die Studie ungefähr so viel Energie wie ein ID. Polo bei 100 km/h. Der Grund dafür ist simpel: Mit zunehmendem Tempo wird der Luftwiderstand immer wichtiger.
Volkswagen geht beim Sparen aber noch einen Schritt weiter. Im Glasdach und in der Heckklappe steckt ein 370 Watt starkes Photovoltaiksystem. Die Solarzellen versorgen die Bordelektronik und entlasten damit die Antriebsbatterie.
Je nach Wetter, Jahreszeit und Region sollen dadurch theoretisch bis zu 30 Kilometer zusätzliche Reichweite pro Tag möglich sein. Das klingt zunächst nach einem kleinen Detail. Für ein Fahrzeug, bei dem jedes Watt zählt, kann es aber durchaus einen Unterschied machen.
Trotz aller Effizienzmaßnahmen soll der Mission Efficiency nicht bloß ein rollender Windkanal sein. Volkswagen hat ihn als 2+2-Sitzer ausgelegt. Vorne geht es normal zu, hinten finden Passagiere bis ungefähr 1,60 Meter Platz. Dazu gibt es einen 481 Liter großen Kofferraum sowie weitere Ablagen. Damit könnte das Auto theoretisch sogar als Familienfahrzeug funktionieren.
Theoretisch. Denn mit fast 4,8 Metern Länge und nur zwei Türen wäre der tägliche Einkauf im engen Parkhaus vermutlich trotzdem eine kleine Geduldsprobe.
Besonders ungewöhnlich wird es beim Fahrwerk. An der Vorderachse arbeitet die bekannte hydraulische Bremse. Hinten setzt Volkswagen erstmals auf eine elektromechanische Bremse. Das Ziel: möglichst wenig Reibungsverluste.
Durch das neue System können unter anderem Bremsleitungen und Bremsflüssigkeit für die Hinterachse eingespart werden. Gleichzeitig lässt sich die Bremskraft gezielter verteilen und die Rekuperation besser nutzen. Entwickelt wurde das System gemeinsam mit AUMOVIO.
Auch im Innenraum denkt Volkswagen anders. Ein klassischer, fest eingebauter Infotainment-Bildschirm fehlt. Stattdessen heißt das Konzept "Bring your own device".
Das eigene Smartphone oder Tablet wird an einer Halterung befestigt und übernimmt den Bildschirm des Infotainmentsystems. Die Funktionen werden kabellos auf das persönliche Gerät übertragen.
Selbst bei den Lautsprechern wurde Gewicht gespart: Statt fest eingebauter Lautsprecher gibt es eine mobile Bluetooth-Box. Das dürfte die erste Volkswagen-Studie sein, bei der man sich vor der Fahrt eher fragen muss, ob das Handy genug Akku hat als das Auto.
Ob der Mission Efficiency jemals in dieser Form auf die Straße kommt, ist offen. Volkswagen will mit dem Fahrzeug vor allem demonstrieren, was technisch möglich ist.
Und genau darin liegt der interessante Punkt: Der Wagen ist kein komplett unrealistisches Experiment mit exotischem Antrieb. Motor, Batterie und große Teile der Technik stammen aus der Großserienwelt.
Die Studie zeigt damit, was möglich wird, wenn Ingenieure nicht zuerst fragen müssen, ob ein Auto besonders praktisch, besonders modisch oder besonders leistungsstark aussehen soll – sondern nur eine Aufgabe haben: so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen.
Mit seinem cW-Wert von 0,158, dem niedrigen Verbrauch und der ungewöhnlichen Tropfenform ist der Mission Efficiency deshalb weniger ein Vorgeschmack auf ein einzelnes Serienmodell als ein Blick darauf, wie effizient Elektroautos künftig noch werden könnten.
Und vielleicht zeigt Volkswagen damit auch eine einfache Wahrheit der Elektromobilität: Nicht immer braucht es eine größere Batterie. Manchmal reicht es, wenn das Auto einfach besser durch die Luft kommt.