Weltgrößter Akku-Check

Mega-Test: Wie fit gebrauchte E-Autos wirklich sind

Eine weltweite Auswertung von über 500.000 Fahrzeugen deckt massive Qualitätsunterschiede im Akku auf. Welche Modelle glänzen, welche abstürzen.
Team Wirtschaft
03.09.2026, 18:27
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Beim Kauf eines gebrauchten Benziners oder Diesels gehören der Blick auf den Kilometerstand und das Serviceheft zum Standard. Bei Elektroautos entscheidet jedoch vor allem die teuerste Komponente über den echten Fahrzeugwert: die Batterie.

Das Batterie-Diagnoseunternehmen Aviloo aus Wiener Neudorf (NÖ) hat nun die weltweit größte Untersuchung zur Akkugesundheit vorgelegt. Basis sind mehr als 500.000 unabhängige Messungen an 20 gängigen E-Auto-Modellen zwischen 2022 und 2026. Die Daten stammen aus Nord- und Südamerika, Europa, Asien und Australien. Die Untersuchung soll künftig zweimal jährlich als fixer Branchen-Index erscheinen.

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Bordcomputer liefert oft ungenaue Werte

Die wichtigste Erkenntnis: Auf die Werksanzeige im Cockpit sollten sich Käufer keinesfalls blind verlassen. Diese beruhe häufig auf reinen Schätzungen der herstellereigenen Software und spiegle den Zustand mitunter verzerrt wider, so Aviloo.

Zwar präsentiere sich der Gesamtmarkt erfreulich robust, dennoch gebe es gewaltige Abweichungen. Der "State of Health" – also die tatsächlich nutzbare Restkapazität des Akkus – klafft selbst bei einzelnen Fahrzeugen desselben Modells mit ähnlicher Laufleistung um bis zu 13,5 Prozentpunkte auseinander.

Experte warnt vor Durchschnittswerten

Aviloo-Chef Marcus Berger rät Interessierten daher zu einer genauen Prüfung vor dem Kauf: "Durchschnittswerte verschleiern eine Menge. Ja, E-Auto-Batterien altern besser, als ihr Ruf vermuten lässt, aber das ist nicht die spannendste Erkenntnis."

Viel entscheidender sei, dass sich der Zustand einzelner Autos desselben Modells drastisch unterscheide. Zehn oder fünfzehn Prozentpunkte Unterschied beim Akkuzustand würden einen echten Unterschied bei Reichweite, Wert und Verlässlichkeit bedeuten. "Ohne unabhängigen Test wissen Sie einfach nicht, wo Ihr Auto in dieser Bandbreite steht", erklärt Berger.

Aus den Messungen stechen deutliche Muster hervor. Neben der reinen Laufleistung und klimatischen Bedingungen – Kälte verlangsamt etwa den Ladevorgang – bestimmt vor allem die Bauart den Akku-Verschleiß. Fahrzeuge mit kleineren Batterien müssen für die gleiche Fahrstrecke signifikant öfter an die Steckdose. Das führt im Schnitt zu einer spürbar schnelleren Alterung als bei Modellen mit großen Akkupaketen.

Härtetest bei 150.000 Kilometern

Die Daten für Vielfahrer jenseits der 150.000-Kilometer-Marke zeigen, wo sich die Spreu vom Weizen trennt. Zu den echten Dauerläufern zählen Modelle wie der Mercedes-Benz EQA mit im Mittel 94 Prozent Restkapazität, der BMW i4 mit rund 93,6 Prozent sowie der Hyundai Ioniq 5 mit 93,8 Prozent und der Hyundai Kona EV mit 93 Prozent. Auch der Volvo XC40 Recharge (92,8 Prozent), der Mustang Mach-E (92,5 Prozent) und der Polestar 2 (92,5 Prozent) schlagen sich in diesem Segment recht gut.

Ganz anders sieht es am Tabellenende aus, wo vor allem kompakte City-Stromer abstürzen. Beim Nissan Leaf ZE1 liegt der Schnitt nach 150.000 Kilometern bei mageren 86,7 Prozent, die am stärksten geschwächten Leaf ZE1 im Test brechen sogar auf 77,8 Prozent ein. Auch der MINI Cooper SE fällt massiv ab: Während der Schnitt bei 87,1 Prozent liegt, stürzen die schlechtesten MINI-Modelle auf 77,5 Prozent Restkapazität ab. Der Renault Zoe schneidet mit einem Schnitt von 87,3 Prozent und Tiefstwerten von 77,6 Prozent ebenfalls ernüchternd ab.

Streuung kostet Dutzende Kilometer

Wie massiv die Schwankungen innerhalb derselben Baureihe sind, zeigt die reale Reichweite bei 150.000 Kilometern ganz konkret. Beim Tesla Model Y (im Mittel noch 90,3 Prozent Restkapazität) weicht die Akkugesundheit um bis zu 11 Prozent ab, was einem Unterschied von rund 46 Kilometern pro Ladung entspricht.

Beim VW ID.4 (90,8 Prozent) beträgt die Kluft zwischen Top- und Flop-Fahrzeugen bis zu 12 Prozent oder 45 Kilometer Reichweite. Beim Hyundai Ioniq 5 (93,8 Prozent) sind es über 12 Prozent Streuung, was rund 42 Kilometer Differenz ausmacht.

Beim Nissan Leaf (86,7 Prozent Restkapazität nach 150.000 Kilometern) führt die maximale Streuung von 13,5 Prozent zu einem Verlust von rund 29 Kilometern. Das liegt an der kleineren Batterie und macht den Leaf zumindest ideal für kurze, lokale Strecken. Kaum ein anderes Modell zeigt laut Aviloo so deutlich, wie Batteriegröße und Ladehäufigkeit zusammenhängen.

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