Das einstige Vorzeigemodell der Wiener Stadtpolitik, die 365-Euro-Jahreskarte für öffentliche Verkehrsmittel, steht auf der Kippe. Denn laut aktuellen Informationen wird innerhalb der Stadtregierung erstmals offen über eine mögliche Preiserhöhung diskutiert. Die Jahreskarte könnte bald zwischen 100 und 150 Euro mehr kosten. Das würde bedeuten: 465 bis 515 Euro für ein Jahr Öffi-Fahren.
Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ) will sich nicht festlegen: Eine Entscheidung werde erst im Sommer im Zuge der Budgetverhandlungen getroffen. Für die Stadt wäre eine moderate Preiserhöhung ein möglicher Budgetentlastungsschritt – immerhin fließen aktuell rund 200 Millionen Euro jährlich zur Subventionierung des Tickets.
Doch genau diese Überlegungen stoßen auf scharfe Kritik. "Die 365 Euro Jahreskarte muss bleiben", hieß es bereits von den Grünen Wien. Nun meldet sich auch die FPÖ zu Wort. "Die rot-pinke Stadtregierung plant offenbar die nächste Belastung für die Wienerinnen und Wiener – eine Erhöhung des Öffi-Jahrestickets. Das ist nicht nur ein Bruch eines zentralen Wahlversprechens von Bürgermeister Ludwig, sondern auch ein Schlag ins Gesicht all jener, die täglich auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen sind", erklärte FPÖ-Gemeinderat Klemens Resch.
Der frisch angelobte Abgeordnete und FPÖ-Sprecher für Stadtentwicklung und Mobilität warnt vor den sozialen Folgen einer Teuerung in Zeiten ohnehin massiver Preissteigerungen bei Energie, Wohnen und Lebenshaltung: "Eine Verteuerung des öffentlichen Verkehrs ist schlichtweg verantwortungslos."
Die FPÖ kündigt daher politische Gegenmaßnahmen an. In der Spezialdebatte zu Stadtentwicklung, Mobilität und Wiener Stadtwerke im Zuge des Rechnungsabschlusses am 24. Juni will Resch einen Antrag einbringen, der ein klares Bekenntnis der Stadtregierung zum Fortbestand des 365-Euro-Tickets verlangt. "Es braucht eine Garantie, dass das Erfolgsmodell nicht zur Geschichte wird", so Resch.