Ein Beamter hat laut "Falter" berichtet, dass die Überstellung des Häftlings ohne medizinische Begleitung abgelaufen ist. Es war kein Arzt dabei und es wurden auch keine beruhigenden Medikamente verabreicht. Die Amtshandlung sei "zu vollziehen" gewesen. Der Befehl dafür kam vom Kommandanten: "Bringts ihn weg."
Wegen seines psychischen Zustands hätte der Mann eigentlich von der Justizanstalt in die psychiatrische Abteilung eines Spitals gebracht werden sollen. Der Beamte sagte, dass weder er noch seine Kollegen im Umgang mit Psychosen geschult seien.
"So etwas können wir nicht", sagte er dem "Falter". Wie orf.at berichtet, hat Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) aber schon nach Bekanntwerden des Falls darauf hingewiesen, dass es Schulungen und Weiterbildungen für Justizwachebeamte im Umgang mit psychisch Kranken gibt. "Von Anfang an" sei sie aktiv geworden, um Verbesserungen "vor allem in Bezug auf die gesundheitliche und psychiatrische Versorgung in den Haftanstalten" einzuleiten, erklärte sie Ende Jänner gegenüber "Ö1".
Obwohl das Gefängnis kein eigenes Spital hat, landen dort immer mehr schwer psychisch kranke Insassen. Der Beamte schilderte dem "Falter", dass der Häftling eigentlich gar nicht von der Justizanstalt Stein nach Hirtenberg gebracht werden hätte dürfen. Ärzte und Psychiater sind dort nicht ständig vor Ort, sondern kommen nur stundenweise oder auf Abruf. Die psychische Erkrankung des Mannes wurde überhaupt erst in Hirtenberg festgestellt, dann wurde die Überstellung in die Psychiatrie angeordnet.
Zuerst hätte der völlig verwirrte Mann in eine unmöblierte Zelle gebracht werden sollen. Tatsächlich war er aber in einem Haftraum mit Betonbett und Tisch untergebracht. Seit 2023 warnt die Volksanwaltschaft ausdrücklich vor Mängeln in besonders gesicherten Hafträumen der JA Hirtenberg. Sie regt an, keine Betonbetten zu verwenden, sondern sichere Sitz- und Liegeflächen aus Hartschaum in die Zellen zu geben.
"Es ist Sache der Justizanstalt, dafür zu sorgen. Und das ist in diesem Fall bedauerlicherweise nicht geschehen", sagte Sporrer am Dienstagabend in der "ZiB 2". Denn bei dem Einsatz stieß der Insasse mit dem Kopf auf das Betonbett. Auf die Frage des "Falter", warum die Amtshandlung danach nicht abgebrochen wurde, meinte der Beamte, dass sie die Kopfverletzung nicht gesehen hätten. Das im Akt dokumentierte Blut soll aus dem Mund gekommen sein.
Sporrer betonte: "Justizanstalt trägt Verantwortung." Der verstorbene Häftling hätte nicht in diese Zelle gebracht werden dürfen, dafür sei die Justizanstalt verantwortlich.
Der psychisch kranke Insasse der JA Hirtenberg ist am 3. Dezember 2025 an Verletzungen gestorben, die ihm vor dem Häftlingstransport zugefügt wurden. Der Mann hätte in der Isolationszelle medizinisch kontrolliert werden sollen, danach war die Überstellung ins psychiatrische Spital geplant. In der Zelle eskalierte die Situation, der laut Justizwache aggressive Mann wurde mehrmals geschlagen und soll zu Boden gefallen bzw. mit dem Kopf gegen das Betonbett gestoßen sein. Am Abend ist er im Krankenhaus Eisenstadt an seinen schweren Verletzungen verstorben – mehr dazu in Häftling tot: Ermittlungen gegen Justizwache (noe.ORF.at; 15.1.2026).
Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt ermittelt mittlerweile gegen zwölf Justizwachebeamte – Verdacht auf Körperverletzung mit tödlichem Ausgang unter Ausnützung der Amtsstellung. Die Beschuldigten wurden vorerst nicht vom Dienst suspendiert, aber von Einsatz- und Kommandofunktionen abgezogen.
Ein interner Untersuchungsbericht, der der Generaldirektion für den Strafvollzug seit vergangenem Freitag vorliegt, hat dazu geführt, dass gegen zwei weitere Beamte Disziplinarverfahren eingeleitet wurden. Einer der beiden wurde suspendiert – mehr dazu in Bericht ortet Fehler: Beamter suspendiert (noe.ORF.at; 30.1.2026).
Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) will nun das System im Strafvollzug auf Mängel im Umgang mit psychisch beeinträchtigten Personen überprüfen, egal ob sie im herkömmlichen Strafvollzug oder in sogenannten forensisch-therapeutischen Zentren (FTZ) untergebracht sind. Eine von ihr eingesetzte Kommission aus fünf namhaften Expertinnen und Experten soll bis Ende Juni einen Abschlussbericht liefern.