Ohne viel Pomp, aber mit Gloria – so soll die Weihe von Wiens 33. Erzbischof am Samstag im Stephansdom über die Bühne gehen. Das kirchliche Großevent führt den bisherigen apostolischen Administrator Josef Grünwidl (62) auch gleichzeitig in sein Amt des Erzbischofs ein. Beim "Schmuck" bevorzugt der gelernte Organist und betont bescheidene Oberhirte der Wiener Gläubigen bekanntlich Silber vor Gold.
Bei der Gästeliste wurde aber auf nichts verzichtet: 3.000 ausgewählte Gäste sind zur Kirchenfeier geladen – darunter die gesamte Staatsspitze vom Bundespräsidenten abwärts. Am Stephansplatz gilt aus Sicherheitsgründen daher bereits vormittags ein strenges Platzverbot, ab 8 Uhr früh darf der Dom ohne Erlaubnis gar nicht mehr betreten werden.
In der Kirche ist der Ablauf indes streng getaktet: Bis 13:45 müssen alle Gäste sitzen. Kurz vor 14 Uhr wird der aus Wullersdorf (NÖ) stammende Grünwidl von 60 Jugendlichen im Bischofshaus abgeholt und nach niederösterreichischer Tradition mit Blasmusik in den Dom begleitet.
Während gleichzeitig im gesamten Gebiet der Erzdiözese Wien die Glocken erklingen, wird der Erzbischof im Dom unter dem Klang der Pummerin begrüßt. Die Zeremonie beginnt in der Mitte des Kirchenschiffs am gläsernen Taufbecken mit einem gemeinsamen Taufgedächtnis, da die Taufe alle Christen vereint und daran erinnert, dass auch ein Bischof nur ein einfacher Christ ist.
Um sicherzugehen, dass auch wirklich der Richtige geweiht wird, wird danach traditionell die Ernennungsbulle des Papstes verlesen. Diese wichtige Aufgabe übernimmt auf ausdrücklichen Wunsch des neuen Erzbischofs mit einer Seelsorgerin aus dem Weinviertel erstmals eine Frau. Die Weihe selbst führt Kardinal Christoph Schönborn (80) durch, dem der Salzburger Erzbischof Franz Lackner (69) und der erst kürzlich geweihte Stanislav Přibyl (54) aus dem Bistum Leitmeritz (Litoměřice) in Tschechien beisteht.
Grünwidl wird dabei das Evangeliar über den Kopf gehalten. Danach legt der Kardinal dem Erwählten in stillem Gebet die Hände auf, dabei erklingt die Pummerin zum zweiten Mal. Nach der Salbung mit Chrisam erhält der neue Bischof seine (bescheiden in Silber gehaltenen) Insignien (Mitra, Ring und Bischofsstab). Der Stab muss zuvor symbolisch von Hand zu Hand weitergereicht worden sein (Stabübergabe). Schließlich nimmt der neue Würdenträger auf dem Bischofsstuhl (Kathedra) Platz, womit er für alle sichtbar die Leitung der Diözese übernimmt.
Grünwidl hat sich als studierter Kirchenmusiker passend den Wahlspruch "Nehmt die Melodie Gottes in euch auf" ausgesucht, sein Wappen zieren Orgelpfeifen. Als letztes großes Musikstück erklingt feierlich ein Chor aus Haydns Schöpfung. Bevor der frisch Geweihte erstmals als Bischof zu den Gläubigen spricht, segnet er noch alle Anwesenden im Dom. Beim Auszug ertönt die Pummerin ein drittes Mal. Bei der anschließenden Agape am Stephansplatz gibt es die erste Möglichkeit, dem neuen Leiter der Erzdiözese Wien persönlich zu begegnen.