Eine Puppe mit dem Gesicht der früheren SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner sitzt in Reizwäsche auf dem Schoß einer Figur, die Heinz-Christian Strache darstellen soll. Daneben sind bewaffnete Personen zu sehen. Was 2023 als Kulisse für eine Schießveranstaltung in Vorarlberg aufgebaut wurde, sorgt jetzt für heftige Kritik. Die Bilder tauchten im Gemeindeblatt von Kennelbach auf. Mittlerweile beschäftigt sich auch die Polizei mit dem Fall.
Auslöser der Debatte ist ein Beitrag zum 50-jährigen Bestehen des Schießkellers Kennelbach. Darin wird auf eine Veranstaltung vom April 2023 zurückgeblickt.
Damals fand das "Internationale Verteidigungsschießen für Angehörige der Exekutive und des Heeres" statt. Der Bewerb wird laut Gemeinde alle drei Jahre veranstaltet und zieht bis zu 300 Teilnehmer aus dem In- und Ausland an.
Dabei müssen die Teilnehmer in unterschiedlichen, möglichst wirklichkeitsnah gestalteten Situationen entscheiden, ob sie ihre Schusswaffe einsetzen: "Die Teilnehmer müssen in mehreren realitätsnah gestalteten Situationen, die ihnen nicht bekannt sind, im scharfen Schuss die Entscheidung zum Schießen oder Nichtschießen treffen."
Für den Jubiläumsbericht wurden zwei Fotos ausgewählt. Eines zeigt eine düstere Bar in einem Gewölbe, das andere eine Szene in einem Hinterzimmer. Gerade dieses zweite Bild sorgt nun für Aufregung
Auf dem Foto sitzt eine Figur mit dem Gesicht von Pamela Rendi-Wagner, bekleidet mit Reizwäsche, auf dem Schoß einer Puppe mit dem Konterfei des früheren FPÖ-Chefs Heinz-Christian Strache.
Im Hintergrund befinden sich zwei weitere bewaffnete Figuren. Offenbar waren diese als Ziele für die Schießübung vorgesehen. Karl-Heinz Rösler, Mitbegründer des Schießkellers Kennelbach, hatte die Veranstaltung im Gemeindeblatt noch ausdrücklich gelobt.
"Unsere Veranstaltung genießt im Hinblick auf Organisation und Darstellung in entsprechenden Kreisen in Mittel- und Westeuropa einen führenden Ruf", erklärte er gegenüber dem "ORF Vorarlberg".
Die Veröffentlichung der Bilder löste allerdings eine breite politische Debatte aus.
Vorarlbergs Landespolizeidirektorin Uta Bachmann reagierte gegenüber dem ORF mit einer deutlichen Stellungnahme: "Das auf dem medial kursierenden Foto ersichtliche Szenario, von dem die Landespolizeidirektion (LPD) Vorarlberg keine Kenntnis hatte, wird als geschmacklos erachtet und auf das Strengste abgelehnt."
Die Polizei leitete bereits eine dienstrechtliche Überprüfung ein. Bachmann kündigte außerdem weitere Schritte an: "Maßnahmen zur Sensibilisierung von allen Polizistinnen und Polizisten der Landespolizeidirektion Vorarlberg werden ergriffen", heißt es in dem Bericht.
Gegenüber den "Vorarlberger Nachrichten" erklärte die Polizei, an der Veranstaltung selbst nicht beteiligt gewesen zu sein. Sollten Polizisten daran teilgenommen haben, sei dies in ihrer Freizeit geschehen.
Besonders scharf fällt die Kritik aus der SPÖ aus. Frauensprecherin Manuela Auer bezeichnet die Darstellung der früheren Parteichefin als "erniedrigend".
"Die Verantwortlichen sollten ernsthaft ihre eigene Rolle und auch ihr Menschenbild hinterfragen. Und genauso jene Teilnehmer, die das gesehen, nichts dagegen gesagt und einfach mitgemacht haben", heißt es im ORF.
Die SPÖ brachte außerdem eine Anfrage im Vorarlberger Landtag ein. Hintergrund ist auch, dass der damalige Ehrenschutz für die Veranstaltung unter anderem beim ÖVP-Landesrat Christian Gantner lag.
Aus der ÖVP kommt ebenfalls eine klare Verurteilung der Szene. Landesrätin Martina Rüscher erklärte dem ORF: "Die Würde einer Frau darf niemals zur Zielscheibe vermeintlicher Unterhaltung werden".
Eine solche Darstellung von Politikerinnen überschreite eine Grenze. Rüscher bekundete ihre Solidarität mit Pamela Rendi-Wagner. Die NEOS verlangen unterdessen eine Erklärung des Kennelbacher Bürgermeisters, der die Veröffentlichung der Bilder im Gemeindeblatt freigegeben haben soll.
Frauensprecherin Katharina Fuchs kritisierte: "Wer so etwas als Scherz abtut, verharmlost ein Frauenbild, das den Nährboden für Gewalt gegen Frauen bildet".
Auch die Grünen zeigen sich empört. Sicherheits- und Frauensprecherin Eva Hammerer fordert eine klare Distanzierung der Landesregierung.
"Es ist absolut inakzeptabel, dass die ehemalige Parteichefin der SPÖ bei einer Schießübung eindeutig als Prostituierte auf dem Schoß des ehemaligen FPÖ-Parteichefs dargestellt wird. Solche Herabwürdigungen verurteilen wir Grüne aufs Schärfste. Ich erwarte mir das auch von unserer Landesregierung und fordere sie auf, sich geschlossen von dieser Geschmacklosigkeit zu distanzieren", erklärte Hammerer gegenüber dem ORF.
Die Nationalratsabgeordneten Nina Tomaselli, Agnes-Sirkka Prammer und Meri Disoski richteten am Dienstag zudem eine parlamentarische Anfrage an Innenminister Gerhard Karner (ÖVP).
Sie wollen unter anderem wissen, ob Bedienstete des Innenministeriums an der Veranstaltung teilgenommen haben, ob dienstliche Mittel verwendet wurden und welche Kenntnisse die Behörden von dem Szenario hatten.
Auch mögliche Beschwerden und disziplinarrechtliche Konsequenzen sollen geklärt werden.
ÖVP-Landesrat Christian Gantner, der den Ehrenschutz für die Veranstaltung übernommen hatte, distanzierte sich ebenfalls. "Die in der Berichterstattung beschriebene Darstellung ist inakzeptabel", erklärte er am Dienstag.
"Ich schließe mich der klaren Haltung meiner geschätzten Parteikolleginnen Martina Rüscher und Julia Berchtold uneingeschränkt an", heißt es im ORF. Gantner betonte, weder an der Veranstaltung teilgenommen noch die Räumlichkeiten besucht zu haben. "Von der beschriebenen Darstellung hatte ich bis zur medialen Berichterstattung keinerlei Kenntnis", erklärte der Landesrat.
Den Ehrenschutz habe er gemeinsam mit dem damaligen Landespolizeidirektor und dem damaligen Kennelbacher Bürgermeister übernommen. Das bedeute allerdings keine Beteiligung an der Organisation.
Für die Veranstaltung habe er sich durch sein Büro entschuldigen lassen. Beim Lesen der Berichte habe er sich zunächst nicht einmal daran erinnert, den Ehrenschutz übernommen zu haben. Auch eine Unterstützung der Veranstalter bestreitet Gantner.
"Weder der Verein 'Interessengemeinschaft Schießkeller Kennelbach der Exekutivbeamten' noch der '1. Vorarlberger Combat-Club' wurden von mir finanziell, organisatorisch oder durch Sachleistungen unterstützt", hielt er schriftlich fest.
Auch aus der FPÖ kommt Kritik an der Darstellung. "Die Würde von Politikerinnen und Politikern ist keine Zielscheibe", erklärte Frauensprecherin Nicole Feurstein-Hosp dem ORF. Sie verurteilte insbesondere die Darstellung von Rendi-Wagner.
"Eine Frau in Reizwäsche als Kulisse für ein Schießszenario darzustellen, ist sexistisch, entwürdigend und durch nichts zu rechtfertigen. Ganz unabhängig davon, wie man politisch zu Pamela Rendi-Wagner steht", so Feurstein-Hosp.
Gleichzeitig verwies sie darauf, dass auch der frühere FPÖ-Chef Strache Teil der Inszenierung gewesen sei. "Politikerinnen und Politiker als Puppen in ein derartiges Szenario zu setzen, ist geschmacklos, egal welcher Partei sie angehören", erklärte sie. Die FPÖ verlangt ebenfalls eine Aufarbeitung.
Während sich Vertreter mehrerer Parteien von der Schießszene distanzieren, soll nun geklärt werden, ob und in welcher Form Polizisten an der Veranstaltung beteiligt waren. Die Vorarlberger Polizei hat dafür eine dienstrechtliche Überprüfung eingeleitet.
Ob daraus weitere Konsequenzen entstehen, ist derzeit offen. Fest steht: Eine Schießübung aus dem Jahr 2023 sorgt durch ihre nachträgliche Veröffentlichung im Gemeindeblatt jetzt für politischen Wirbel.