Kreml-Chef unter Druck

"Putin bricht sein wichtigstes Versprechen"

Massive Angriffe auf Kiew, hohe Verluste an der Front und sinkende Zustimmungswerte: Für Kreml-Chef Putin wächst der Druck aus mehreren Richtungen.
André Wilding
03.07.2026, 06:24
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Russland hat in der Nacht erneut schwere Angriffe auf die Ukraine geflogen. Allein in Kiew kamen nach ukrainischen Angaben 13 Menschen ums Leben, 86 weitere wurden verletzt. Moskau bezeichnete die Attacke als Vergeltung für ukrainische Angriffe auf russische Infrastruktur.

Während Russland seine Angriffe fortsetzt, gelingt es der Ukraine nach eigenen Angaben seit Wochen immer wieder, Ziele auf russischem Staatsgebiet zu treffen. Betroffen sind demnach Raffinerien, Treibstofflager sowie Militär- und Logistikstandorte.

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"Putin = Niederlage Russlands"

Auch an der Front wächst der Druck auf die russischen Streitkräfte. Laut einer Studie der US-Denkfabrik CSIS verliert Russland derzeit zwischen 30.000 und 34.000 Soldaten pro Monat, kann aber nur rund 27.000 neue Rekruten gewinnen. Der russische Kriegsblogger "Frontoffizier" kommentierte die Entwicklung mit den Worten: "Putin = Niederlage Russlands".

Zusätzliche Aufmerksamkeit erregte ein Video des ehemaligen russischen Soldaten Alexander Lunin. Darin kritisiert er Zustände in der russischen Armee und warnt davor, dass sich das Militär im schlimmsten Fall gegen den Kreml wenden könnte.

Auch bei den Umfragewerten soll es für Putin schlechter aussehen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj veröffentlichte Grafiken, die nach seinen Angaben auf internen Kreml-Unterlagen beruhen. Sie sollen zeigen, dass die Zustimmung für Putin und die Regierungspartei "Einiges Russland" vor der Duma-Wahl im September zurückgeht.

"Putins Komfortzone ist weg"

Auf sinkende Werte deutet auch eine kremlnahe Umfrage hin. Nach Angaben des Fonds für Öffentliche Meinung (NOM) vertrauen derzeit 69 Prozent der 1.500 Befragten Putin. Das wäre der niedrigste Wert seit Beginn des russischen Angriffskriegs. Vor einem Jahr lag der Wert laut derselben Umfrage noch bei 82 Prozent.

Russland-Experte Alexey Yusupov sieht deshalb zwar wachsenden Druck auf den Kreml, aber keine akute Gefahr für Putins Macht. "Putins Position ist derzeit nicht gefährdet – aber seine Komfortzone ist weg", sagte er zu "Bild". Mit den ukrainischen Angriffen auf russisches Gebiet und der Treibstoffkrise sei "ein wichtiges Versprechen" des Kremls ins Wanken geraten. Putin "hat lange behauptet, Russland könne beides haben: Krieg und ein normales ziviles Leben. Jetzt muss seine Energie-Supermacht Benzin aus Kasachstan importieren und den Verkauf an heimischen Tankstellen einschränken."

"Ein Signal der Ohnmacht"

Auch Russland-Experte Adrian Geiges hält einen Sturz Putins derzeit für unwahrscheinlich. Putin habe "ein System der Angst geschaffen, das auf seine Person zugeschnitten ist", sagte er zu "Bild". Anders als zu Sowjetzeiten gebe es heute kein Gremium mehr, das den Präsidenten entmachten könne. "Der einzige Weg, Putin zu stürzen, wäre, ihn selbst zu töten." Derzeit sehe er allerdings "keine Persönlichkeit, die das wagen würde, geschweige denn Erfolg damit hätte". Zudem würde "ohne einen charismatischen Nachfolger das Riesenreich danach im Chaos zerfallen".

Für Yusupov könnte die Duma-Wahl im Herbst dennoch zum wichtigen Test für den Kreml werden. Entscheidend sei dabei weniger das Wahlergebnis als die Frage, ob die Abstimmung überhaupt wie geplant stattfindet. Eine Verschiebung oder Absage wäre für Putin "ein echtes Signal der Ohnmacht".

{title && {title} } wil, {title && {title} } 03.07.2026, 06:24
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