Die Angriffe der Ukraine auf die russische Ölindustrie zeigen offenbar Wirkung. Auch in den Großstädten kommt es zu Treibstoffengpässen. Lange Warteschlangen an den Zapfsäulen, Rationierung von Sprit und höhere Preise sind die Folgen.
Bei den Russen sorgt dies nun für aufgeheizte Stimmung. Immer wieder kommt es zu Streit und sogar zu Gewalt an den Tankstellen. Wie das russische Exilmedium "Meduza" berichtet, soll es auch schon zu einem Messerangriff und Drohungen mit Waffen gekommen sein.
So soll in der Region Irkutsk einem Russen (36) nach etwa fünf Stunden Wartezeit der Kragen geplatzt sein. Erst ein Polizist, der ihn mit einer Waffe bedrohte, konnte den um sich schlagenden 36-Jährigen wieder beruhigen.
Ähnliche Szenen spielten sich in St. Petersburg ab. Hier wurde deutlich, dass man sich an den Zapfsäulen nicht vordrängen sollte. Als ein Autofahrer dies nicht beachtete, wurde er von einem Kontrahenten mit einem Messer attackiert. Vordrängeln war auch der Grund für eine Rauferei zwischen einem Autolenker und einem Motorradfahrer in Tscheboksary. Schlussendlich griff der Biker zum Pfefferspray.
Blutig wurde es auch an einer Tankstelle in der Oblast Swerdlowsk. Dort schlug ein Mann einer Frau ins Gesicht, nachdem es in der Schlange zu einem Streit gekommen war. Der Angreifer soll zum Zeitpunkt der Tat betrunken gewesen sein.
Eine Diskussion darüber, wer als Erster tanken darf, wurde von zwei Lenkern in Krasnodar ebenfalls mit einem Faustkampf gelöst. Aber nicht nur bei männlichen Russen liegen die Nerven blank, auch Frauen prügelten sich bereits an Tankstellen.
So kam es in Kaliningrad zu einer Schlägerei zwischen zwei russischen Lenkerinnen. Ein anderer Fahrer musste die beiden trennen. In Kaluga wollte eine Frau die Zapfsäule gar nicht mehr hergeben. Erst ein Mann konnte sie schlussendlich beruhigen – nachdem sie vergeblich versucht hatte, ihn zu treten.
Und was macht Kreml-Chef Wladimir Putin? Dieser gab in der jüngeren Vergangenheit zwar zu, dass es Probleme gebe, die Lage aber "nicht kritisch" sei. Demnach würden Unterbrechungen an den Tankstellen schnell wieder behoben werden.
Fix ist allerdings, dass man dringend eine Lösung braucht, um die Spritvorräte des Landes wieder aufzustocken. Die Wut mancher Russen richtet sich nämlich nicht nur gegeneinander, an den Zapfsäulen, sondern auch gegen die Regierung.