Fast alles, was wir online tun, ist verschlüsselt – Online-Banking, WhatsApp-Chats, E-Mails, sogar Ampel- und Stromnetze. Diese Verschlüsselung beruht auf mathematischen Rätseln, die für normale Computer viel zu schwer zu lösen sind, etwa das Zerlegen riesiger Zahlen in ihre Primfaktoren.
Aber: Ein ausreichend starker Quantencomputer könnte genau diese Rätsel in kurzer Zeit lösen, weil er nach völlig anderen physikalischen Regeln rechnet als heutige Geräte – genau davor haben Sicherheitsexperten Angst. Im schlimmsten Fall gelangen sensible und geheime Daten in falsche Hände. Banken, Spitäler, Energieversorger, Behörden und Betreiber kritischer Infrastruktur wären im Visier der Quanten-Hacker.
Einen Quantencomputer, der tatsächlich Verschlüsselungen knackt, gibt es aktuell noch nicht, Experten rechnen aber innerhalb der nächsten zehn bis fünfzehn Jahre damit. Trotzdem ist Eile geboten, denn Kriminelle und Geheimdienste können schon heute verschlüsselte Daten abfangen und einfach auf Vorrat speichern, um sie erst dann zu entschlüsseln, wenn die passende Technologie verfügbar ist. Man nennt diese Strategie treffend "Jetzt sammeln, später knacken" (SNDL), und für Daten mit langer Halbwertszeit – etwa Gesundheitsakten oder Staatsgeheimnisse – ist das schon jetzt ein reales Risiko.
„Der Zeitpunkt, zu dem Daten abgefangen werden, und der Zeitpunkt, zu dem sie entschlüsselt werden können, müssen nicht zusammenfallen. Wer Daten für zehn oder zwanzig Jahre schützen muss, kann seine Sicherheitsarchitektur nicht nach der Rechenleistung von heute dimensionieren“Nojus Albrichtas, Co-Founder und Managing Director bei Chandal Quantum Group GmbH
Als Antwort haben Forscher eine neue Generation von Verschlüsselungsverfahren entwickelt, die sogenannte Post-Quantum-Kryptografie, kurz PQC. Diese Verfahren beruhen nicht mehr auf Primfaktorzerlegung, sondern auf anderen mathematischen Problemen, die sogar für Quantencomputer als praktisch unlösbar gelten – etwa aus der Gittertheorie. Der entscheidende Vorteil dabei ist, dass diese neuen Codes auf ganz gewöhnlicher Hardware laufen und keine exotische Spezialtechnik wie etwa Quantensatelliten benötigen.
Die Umstellung gilt als technisch anspruchsvoll, weil dabei nicht nur einzelne Programme, sondern ganze IT-Systeme, Zertifikate und Kommunikationswege überarbeitet werden müssen. Genau aus diesem Bedarf heraus ist innerhalb weniger Jahre eine eigene, rasant wachsende Branche entstanden, die Unternehmen bei diesem Umstieg begleitet.
„Quantensicherheit ist eine Infrastrukturentscheidung, die heute getroffen werden muss. Dieses Bewusstsein sehen wir inzwischen bei Unternehmen jeder Größe und im institutionellen Umfeld“Nojus Albrichtas, Co-Founder und Managing Director der Chandal Quantum Group
„Wer die Mechanismen kontrolliert, mit denen Staaten, Banken, Unternehmen und Bürger einander digital vertrauen, kontrolliert die Schicht, auf der moderne Gesellschaften funktionieren“Arthur Dichand, Co-Founder und Managing Director der Chandal Quantum Group
Weltweit tummeln sich bereits zahlreiche Anbieter in diesem Feld. Das US-Unternehmen QuSecure wurde 2026 vom Weltwirtschaftsforum ausgezeichnet, die britische Firma PQShield gilt als technischer Vorreiter der Branche, und der französische Konzern Idemia belegte im aktuellen Branchen-Ranking von Juniper Research den ersten Platz. Sogar in Wien gibt es mittlerweile einen solchen Anbieter: die Chandal Quantum Group, ein Gemeinschaftsunternehmen der österreichischen Firma ANDIAL Quantum Systems und der taiwanesischen Chelpis Quantum Corporation.