Ein Überfall mitten auf der Straße, ein gestohlenes Handy und ein entscheidender Fehler: In Graz soll ein 24-Jähriger seinen Arbeitskollegen mit einem Stanleymesser bedroht haben. Doch bei seiner Flucht ließ der Verdächtige offenbar seinen Rucksack zurück. Das brachte die Ermittler auf seine Spur. Als später auch noch das gestohlene Handy fehlte, kam Datenträgerspürhund "Ringo" zum Einsatz.
Der Vorfall ereignete sich bereits vor einer Woche in der Josef-Huber-Gasse in Graz, wurde aber erst jetzt bekannt. Ein 22-jähriger Syrer war auf einem Gehsteig von einem Landsmann angehalten worden. Beide arbeiten bei derselben Leihfirma.
Laut Angaben des Opfers riss ihm der 24-Jährige plötzlich das Handy aus der Hand. Danach soll er ein Stanleymesser gezückt, die Klinge ausgefahren und Geld gefordert haben. Als sich der jüngere Arbeitskollege weigerte, ergriff der Verdächtige die Flucht – und verlor dabei offenbar seinen Rucksack, wie die "Kronen Zeitung" berichtet.
Für die Polizei war das eine entscheidende Spur: Nur eine halbe Stunde später wurde der 24-Jährige in seiner Wohnung festgenommen. Diese liegt weniger als 500 Meter vom Tatort entfernt. Der Mann bestritt die Raubvorwürfe.
Doch die mutmaßliche Tatwaffe und vor allem das gestohlene Handy blieben zunächst verschwunden. Deshalb wurde "Ringo" von der Grazer Polizeidiensthundeinspektion hinzugezogen.
Der vierjährige belgische Schäferhund ist auf das Aufspüren von Datenträgern spezialisiert. Er zeigte rasch an, wo sich die Beute befand: Der Verdächtige hatte das Handy durch einen Schlitz auf den Balkon der unbewohnten Nachbarwohnung geworfen. Das Kriminalreferat übernahm die weiteren Ermittlungen. Der 24-Jährige kam wegen Diebstahls und versuchten schweren Raubes in Untersuchungshaft.
"Ringo" ist der jüngst ausgebildete Datenträgerspürhund der Polizei und derzeit der einzige verfügbare seiner Art in der Steiermark. Die Grundausbildung zum Schutz- und Stöberhund dauert bei der Polizei zwei Jahre. Danach können die Tiere Spezialausbildungen absolvieren, etwa für die Leichen- oder Drogensuche. Die Ausbildung zum Datenträgerspürhund dauert acht Wochen.
Dabei lernen die Hunde, digitale Beweismittel wie Handys, Laptops, Tablets und Speichersticks möglichst rasch aufzuspüren. Auch Geld, Falschgeld und Dokumente wie Reisepässe können sie finden. Trainiert werden sie vor allem auf den Geruch von Platinen, also Leiterplatten elektronischer Geräte.