Am einen Tisch wird ein klassisches Schnitzel serviert, gleich daneben ein Überraschungsmenü mit sieben Gängen. Was in vielen Restaurants kaum denkbar wäre, gehört im weststeirischen Ligist (Bezirk Voitsberg) künftig zum Konzept.
Florian und Julia Wörgötter haben ihr traditionsreiches, gleichnamiges Lokal am Marktplatz vollständig umbauen lassen und dabei die bisherige Trennung zwischen Wirtshaus und gehobener Küche aufgehoben.
Das "Wörgötter" bietet weiterhin beide Linien an. Das bodenständige Wirtshaus wurde vom Guide Michelin mit einem Bib Gourmand ausgezeichnet. Das Fine-Dining-Restaurant trägt einen Michelin-Stern und erhielt im Gault&Millau 2026 drei Hauben sowie 16 Punkte. Neu ist, dass nun alle Gäste im selben Raum sitzen. Insgesamt gibt es Platz für rund 60 Personen.
Die ungewöhnliche Mischung ist ausdrücklich gewollt. Niemand soll sich entscheiden müssen, welchem Teil des Hauses er sich zugehörig fühlt. Gleichzeitig könnten Gäste dadurch auf Angebote aufmerksam werden, die sie bisher nicht ausprobiert haben.
"Wir trennen das bewusst nicht. Wenn einer ein Schnitzel isst und am Nebentisch gibt es sieben Gänge, denkt er sich vielleicht: Nächstes Mal probiere ich das. Oder umgekehrt: Heute mag ich nicht so viel, nur eine gute Flasche Wein und ein Schnitzel", erklärt Florian Wörgötter. Für den Koch gehört beides zur Identität des Familienbetriebs. "Nur Fine Dining macht uns keinen Spaß – und nur Wirtshaus auch nicht. Wir brauchen beides."
Seine Frau Julia, die als Gastgeberin und Sommelière arbeitet, fasst das Konzept knapp zusammen: "Das Wörgötter ist ein Haus für alle."
Eine zentrale Rolle spielt nach dem Umbau die neue Bar. Sie wurde bewusst größer gestaltet und soll nicht nur Restaurantgäste ansprechen. "Die Bar haben wir extra groß gemacht, weil es uns am Land so wichtig ist, dass die Einheimischen einfach hereinkommen können – auf ein Bier, einen Spritzer oder eine Flasche Wein", sagt Julia Wörgötter.
Der neu gestaltete Gastraum wirkt heller und offener. Holz, Stoffe und olivgrüne Elemente bestimmen das Erscheinungsbild. Die Tische sind gleich groß und können je nach Anzahl der Gäste unterschiedlich zusammengestellt werden.
Mit der Wiedereröffnung hat sich auch das Fine-Dining-Angebot verändert. Der Abend beginnt mit mehreren kleinen Happen, danach folgen Brot und das eigentliche Menü. Vor dem Dessert wird nun ein zusätzlicher Zwischengang serviert.
Gäste können zwischen einem Überraschungsmenü mit fünf oder sieben Gängen wählen. Bei den Lebensmitteln setzt das Restaurant nach eigenen Angaben weiterhin stark auf heimische Herkunft.
"Alle Grundprodukte im Menü kommen aus Österreich, das Gemüse von einem Bauern drei Kilometer von uns entfernt. Wir haben so tolle Bauern und Produzenten bei uns – nachhaltiger zu denken tut nicht weh", sagt Florian Wörgötter.
Die Weinkarte konzentriert sich vor allem auf österreichische Flaschen. Daneben finden sich auch Weine aus weniger bekannten Regionen sowie Entdeckungen von Reisen des Gastgeberpaares, etwa aus Griechenland und Südafrika.
Die Geschichte des Hauses begann vor 61 Jahren. Damals kauften die Großeltern von Florian Wörgötter das Gebäude und eröffneten ein Lokal mit Live-Musik und Tanzabenden. 1999 übernahmen seine Eltern und entwickelten die ehemalige Disco zu einem Wirtshaus weiter.
Vor fünf Jahren kehrte Florian Wörgötter in den Familienbetrieb zurück. Gemeinsam mit JUlia baute er neben der traditionellen Küche auch den Fine-Dining-Bereich auf.
Das Wirtshaus ist von Mittwoch bis Sonntag mittags geöffnet, von Donnerstag bis Samstag zusätzlich am Abend. Fine Dining wird donnerstags, freitags und samstags angeboten. Dafür ist eine Reservierung erforderlich.