Österreich schied bei der WM in den USA im Sechzehntelfinale mit 0:3 gegen den späteren Weltmeister Spanien aus. Auch gegen den anderen Finalisten, Argentinien, verlor man in der Gruppenphase mit 0:2. Dennoch gab es einige kritische Stimmen, da man spielerisch und von der Intensität her nicht auf dem Level der Europameisterschaft 2024 war. ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick zieht im Interview mit den "Salzburger Nachrichten" ein erstes Fazit über die Weltmeisterschaft.
Angesprochen auf die fehlende Fitness und Intensität der Mannschaft sagt er: "Wir waren vor zwei Jahren bei der EM in Deutschland sicher körperlich in einer besseren Verfassung. Vor der WM waren einige wichtige Spieler lange verletzt oder sind erst im Laufe der Vorbereitung fit geworden."
Er führt weiter aus: "Bei der Euro waren wir in vielen Bereichen Erster oder Zweiter, in den USA maximal im hinteren Mittelfeld. Da rede ich von Ballgewinnen im letzten Drittel oder Sprints. Wir waren letztendlich einfach als Mannschaft nicht in der Verfassung, um Topnationen zu besiegen. Und um körperliche Probleme zu beheben, ist die Vorbereitung vor so einem Turnier zu kurz."
Erstmals seit 1982 hat man die Gruppenphase bei einer WM überstanden und den ersten Sieg bei einer Endrunde seit 1990 geschafft. Daraus zieht Rangnick positive Schlüsse, bleibt aber kritisch: "Grundsätzlich können wir zufrieden sein. Wir haben zwei Meilensteine gesetzt, aber gleichzeitig müssen wir selbstkritisch sein. Neun Gegentore in vier Spielen sind für uns untypisch. Unsere Stärke war in den vergangenen Jahren, die Spielphase gegen den Ball als Angriffsmittel zu nutzen. Die Balleroberung ist für uns der Beginn des Angriffs. Genau in diesem Bereich und beim anschließenden Umschalten müssen wir wieder besser werden."
Der Teamspirit war laut Rangnick 2024 bei der EM besser: "Abseits des Platzes haben wir bei der WM sicher einiges gelernt. Das Quartier in Kalifornien war herausragend, aber für den Teamspirit war unsere Unterkunft vor zwei Jahren in Deutschland besser."
„Ich habe keine Angst, dass wir in den kommenden Jahren keine gute Rolle spielen können.“Teamchef Ralf Rangnick über die Zukunft des ÖFB-Teams.Salzburger Nachrichten
Wie sieht Rangnick die Zukunft des österreichischen Fußballs? "Ich habe keine Angst, dass wir in den kommenden Jahren keine gute Rolle spielen können. Mit Baumgartner kommt ein wichtiger Spieler wieder zurück. Insgesamt haben wir einen Stamm von rund 20 sehr guten Spielern. Eine wichtige Rolle könnte in Zukunft auch Patrick Wimmer, der in Hoffenheim mit zwei Toren einen tollen Einstand hatte, spielen. Er könnte genau der Flügelspieler sein, den wir brauchen."
Eine Problemstelle bleibt aber: "Die einzige Problemposition ist das Sturmzentrum. Da haben wir neben Michael Gregoritsch und Saša Kalajdžić natürlich auch Elias Havel und Raul Florucz im Blick. Grundsätzlich bin ich optimistisch, was die Zukunft des Nationalteams betrifft."