2:0! Rapid meldet sich mit einem deutlichen Fingerzeig aus der XXL-Länderspielpause zurück. Die Hütteldorfer behaupteten am Sonntag mit dem siebenten Saisonsieg im Topspiel der Bundesliga ihre Tabellenführung zu Gast beim amtierenden Doublesieger.
Die Wiener spielten den LASK in Runde acht phasenweise an die Wand, siegten dank Treffern von Ercan Kara (58.) und Claudy M'Buyi (82.). Rapid baute damit den Vorsprung an der Spitze aus. Salzburg hat nach einem 0:0 beim GAK zwei Punkte Rückstand, die Linzer auf Platz drei bereits fünf Zähler.
Achte Spielminute, der achte Lattentreffer der noch jungen Saison: Kara fehlten beim Traum-Volley nach Flanke von Bendeguz Bolla nur Zentimeter zur Blitz-Führung. Der Ball streichelte das Lattenkreuz. Die starke Offensiv-Aktion war ein Vorgeschmack auf die erste Hälfte.
Rapid dominierte, gab den Ton an und scheiterte mehrfach nur knapp an Teamkeeper Lukas Jungwirth. Der LASK zeigte sich wie schon vor der Länderspielpause defensiv ungewohnt fehleranfällig, wurde vorne nur ein mal gefährlich. Star-Stürmer Sasa Kalajdzic jubelte beim vermeintlichen 1:0 zu früh – Assistgeber Kasper Jörgensen war aus Abseitsposition gestartet.
Die Gäste ließen auch nach dem Seitenwechsel nicht locker. Als George Bello beim LASK angeschlagen fehlte, nützte Rapid die Unordnung über seine linke Abwehrseite. Wieder brachte die Ko-Produktion zwischen Bolla und Kara Erfolg. Der Angreifer stocherte den Ball nach Jungwirth-Abwehr über die Linie – 1:0 (58.).
Der LASK verlor in der Aktion Bello verletzt, kurz danach musste auch der frisch eingewechselte Moses Usor verletzt vom Platz. Vor den intensiven Champions-League-Wochen drohen bittere Ausfälle. Ohne die beiden Stammkräfte zogen die Kollegen indes aber das Tempo erstmals kräftig an. Rapid verlor die Kontrolle über das Spiel, der LASK drückte.
Jörgensen scheiterte gleich mehrfach in aussichtsreichen Positionen nur knapp am Ausgleich. Stattdessen zeigte Rapid-Coach Johannes Hoff Thorup ein goldenes Händchen: Er wechselte in der Schlussphase M'Buyi und Louis Schaub ein. Nur Sekunden später leitete Schaub den Gegenstoß ein, legte Yusuf Demir dem Franzosen das 2:0 vor (82.). Der zweite Treffer war ein Spiegelbild des Abseits-Tores und des 1:0. Wieder brachte eine Hereingabe über die rechte Seite ins Zentrum den gewünschten Erfolg.
Die Stimmen
Ercan Kara (Rapid): "Ich bin stolz, hier so dominant gespielt und gewonnen zu haben. Das ist nicht leicht, hier so ein Spiel zu spielen und nicht nicht selbstverständlich. Beim Tor ist die Hauptsache, dass er drin ist, egal wie."
Kara über Trainer Hoff Thorup: "Wir hatten in der langen Sommer-Vorbereitung die Zeit, genau das zu üben, was er will. Dann wirst du überzeugt davon und wirst spielfreudig. Das zeichnet uns aus."
Johannes Hoff Thorup (Rapid): "Wir haben es geschafft, dort fortzusetzen, wo wir aufgehört haben. Wir hatten in den Phasen Kontrolle, in denen wir es haben wollten. Wir sind einfach im Flow geblieben. Trainerarbeit? Nein, es ist ein Teil davon. Ich versuche sie nur, zu inspirieren und Lösungen zu finden."
"Ich habe gute Co-Trainer, die mir gute Ideen geben. Wir haben durchgewechselt, um ein bisschen Kontrolle zurückzubekommen. Dass es so funktioniert, ist natürlich auch glücklich."
"Wir wollen die Leidenschaft nicht stoppen. Wenn man sich die Fans ansieht, wie sie uns anfeuern. Wir wollen das natürlich auch leben. Aber wir müssen uns immer auf die nächste Aufgabe fokussieren. Aber, wenn wir so weitermachen können, werden wir noch ziemlich viel Freude haben."
Yusuf Demir (Rapid): "Hier in Linz zu gewinnen, ist immer schwer. Wir sind natürlich glücklich, die drei Punkte mitzunehmen. Wir haben ganz klare Ziele, wollen gegen den Ball giftig sein. Mit dem Vorjahr Vergleiche zu ziehen, ist unfair. Erstens, weil ich erst in der zweiten Hälfte da war, zweitens, weil wir jetzt eine ganz andere Mannschaft zur Verfügung haben."
"Rapid ist mein Herzensverein. Die Vertragssituation schwebt nicht in meinem Kopf – die Leistung auf dem Platz zählt."
Didi Kühbauer (LASK): "Heut war ein Gegner da, der gut drauf ist. Wir waren erste Halbzeit überhaupt nicht im Spiel, haben sie spielen lassen. Wir haben zu spät reagiert oder sind dem Ball nachgelaufen. Selber haben wir den Ball zu schnell in die Spitze gespielt. Auch wir können gut Fußballspielen. Zweite Halbzeit waren wir dann besser im Spiel und bekommen das Tor, als der George dann draußen war – ist natürlich schade. Du musst in jedes Spiel reingehen, dass du als Sieger rausgehst. Erste Halbzeit waren wir am Platz, aber sehr passiv. Rapid hat verdient das Spiel gewonnen. Du brauchst in so einem Spitzenspiel dann einfach mehr."
"Was noch schlimmer ist: Beim George kann ich jetzt schon sagen, dass es eine Muskelverletzung ist. Der Moses hat starke Schulterschmerzen. Da ist mir die Niederlage dann egal, wenn wir zwei Spieler verlieren, wäre das das Schlimmere."
"Was willst du großartig adaptieren. Wir haben jetzt jeden dritten Tag ein Spiel. Wir müssen möglichst gut regnerieren. Wichtig wird sein, dass sich kein Weiterer verletzt. Rotation wäre sehr gut, aber wir haben halt nicht so einen Kader wie Sturm oder Salzburg."
Sasa Kalajdzic (LASK): "Wir hatten ein paar Probleme in der Abstimmung beim Pressing. Am Ende ist es dann auch verdient. Jeder wollte hier, hat Gas gegeben. Es war teilweise aber nicht gut genug. Das reicht dann auch nicht. Fußball ist so, Momentum ist grad auf der anderen Seite. Das können wir uns aber zurückerarbeiten. Die Bälle sind ungenau teilweise. Es ist einfach ein blöder Tag für uns. Wir haben es vor dem Spiel besprochen, dass uns Liverpool noch gar nicht interessiert. Wir haben jetzt nichts zu verlieren. Ich habe gehofft, dass wir sie mit einem Erfolgserlebnis empfangen. Ist nicht so. Jetzt müssen wir rebooten."
Sascha Horvath (LASK): "Wir haben gegen den Ball keinen Zugriff gehabt. Das war so ein Dahingespiele. Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen, waren immer zu spät. Sie waren spritziger. Das war heute der Unterschied. Wir waren nicht aggressiv genug. Das müssen wir wieder verbessern, dann läuft es wieder besser. Es kommen jetzt viele Spiele auf uns zu. Wir dürfen den Kopf nicht hängen lassen. Den Oberschenkel habe ich schon gespürt, habe noch Schmerzen. Aber es ist nichts kaputt. Die Meisterschaft ist uns wichtiger, als die Champions League – die ist unser täglich Brot. Es ist leichter gesagt als getan. Wir müssen wieder da hinkommen, dass wir mit freiem Kopf spielen am Wochenende."
Jubelstimmung bei Rapid – die Sorgenfalten von Trainer Didi Kühbauer werden beim LASK hingegen größer. Nach dem 0:1 zum Champions-League-Auftakt bei AEK Athen, dem 1:2 bei Sturm und dem 3:3 bei Hartberg war die Heim-Niederlage gegen Rapid das vierte sieglose Spiel in Folge. Die Aufgaben werden nicht leichter: Am Mittwoch kommt der englische Gigant Liverpool in der Königsklasse auf die Gugl.