Rapid Wien steckt tief in der Krise. Die Grün-Weißen trennten sich nach dem schwachen Auftritt in der Conference League bei Polens Vizemeister Rakow Czestochowa von Coach Peter Stöger und dessen Assistenten Thomas Sageder. Nach nicht einmal fünf Monaten im Amt musste der 59-Jährige seinen Hut nehmen.
Nun übernahm Stefan Kulovits zum bereits zweiten Mal als Interimstrainer bei den Hütteldorfern. Der Ex-Fußballer war bereits Co-Trainer und Ex-Coach Robert Klauß und nun unter Stöger, führte nach der Trennung vom Deutschen im Frühjahr die Grün-Weißen noch in die Conference-League-Qualifikation. Nun befindet sich Rapids Sport-Geschäftsführer Markus Katzer bereits wieder auf Trainersuche. Durchaus möglich, dass Kulovits, der zuletzt sein Pro-Lizenz-Diplom erhielt – Stichwort "unglaublich coole Woche" – zur Dauerlösung wird.
Für Rapid-Ikone Krankl wäre das aber nicht die richtige Wahl, wie der einstige "Goleador" im Podcast "Gelb-Rot" mit Kurt Garger und Frenkie Schinkels erzählte. "Der Co-Trainer hängt mit dem Haupttrainer zusammen. Jetzt kommt man mit dem Schmäh ,Interimistisch´, einige Wochen, einige Monate. Da arbeitet jetzt einer, der alles mitgekriegt hat die ganze Zeit. Was soll der der Mannschaft sagen?", fragte der 72-Jährige.
Doch wer soll nun übernehmen? "Die letzte Auswahl waren immer zweit- und drittklassige Trainer aus Deutschland", meinte Krankl.
"Es ist die Normalität im Fußball heutzutage. Wenn du nichts gewinnst, kriegst du überall den Stock – in Österreich, in Spanien, in Deutschland", analysierte Krankl. Gleichzeitig sei es aber falsch, nur die Schuld beim 59-jährigen Stöger zu suchen: "Es gehören auch die Spieler dazu. Alle putzen sich ab, der Trainer ist der arme Hund, ist immer der Schuldige und muss sofort gehen. Die Spieler werden für mich viel zu wenig zur Verantwortung gezogen. Das ist natürlich schwierig."
Problem sei aber auch die interne Kommunikation, meinte Krankl. "Ich habe gehört, dass sie in der Kabine Französisch und Englisch reden. Als ich das gehört habe, habe ich gesagt: ,Das kann nicht klappen.´ Mit dieser Anzahl an Spielern, die nur Französisch und Englisch reden – ich kann doch nicht bei Rapid Wien in der Kabine nur Französisch und Englisch reden. Das gibt es bei keinem großen Verein in Europa, dass man dorthin geht und nicht die Sprache des Landes kann", so der ehemalige Barcelona-Legionär. "Wie hat der Stöger eine Spielerversammlung oder eine Besprechung gemacht? Welche Signale gibt er von der Bank aus? Das geht ja nicht", ergänzte der ehemalige Weltklasse-Stürmer.
Schon zuletzt habe Stöger auch in persönlichen Gesprächen am Rande der Spiele eine zurückhaltende Körpersprache an den Tag gelegt. "Er ist mir emotionslos und ich traue mir sogar sagen traurig vorgekommen", meinte Krankl zur Stöger-Ablöse.
Nun sei es schwer, aus dem tiefen Tal herauszukommen: "Es ist der Fluch der großen Vereine: Wir müssen immer gewinnen. Und wenn wir nicht alles gewinnen, ist alles Arsch", so Österreichs Fußball-Ikone.