Nach Mega-Leak

Rassismus, Machtkämpfe – das zeigen die AfD-Mails

Ein massiver Datenleak legt Hunderttausende mutmaßliche AfD-Mails offen und wirft Fragen zu Parteiinterna und möglichem Fehlverhalten auf.
21.10.2026, 08:15
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Ein umfangreicher Datenleak beschäftigt die deutsche AfD. Auf der Website hexane.cc wurden Hunderttausende E-Mails veröffentlicht, die aus Postfächern von Parteivertretern stammen sollen. Die Nachrichten reichen von September 2026 offenbar bis ins Jahr 2014 zurück. Neben der internen Kommunikation finden sich in dem Datenpaket auch zahlreiche Dokumente und Anhänge.

Die Partei bestätigte, dass es im Vormonat zu einem Hackerangriff auf einen ihrer Hosting-Dienstleister gekommen sei. Dabei seien Teile einiger weniger Mail-Postfächer unrechtmäßig kopiert worden. Die meisten davon seien seit Jahren nicht mehr genutzt worden. Der Angriff sei rasch entdeckt und beendet worden, die betroffenen Nutzer seien informiert worden. Ob sämtliche veröffentlichten Dateien tatsächlich echt sind, ist allerdings noch nicht unabhängig geklärt.

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Mehr als 400.000 Nachrichten im Datenpaket

Die Dimension des Leaks ist beträchtlich. Laut NTV umfasst das Paket nach Angaben der Plattform rund 421.000 E-Mails mit einem Gesamtvolumen von 281 Gigabyte. Dazu kommen demnach 39.000 Anhänge und 49.000 Dokumente.

Die Betreiber haben die Daten auf ihrer Website zum Download bereitgestellt. Zusätzlich gibt es KI-generierte Zusammenfassungen, mit denen sich Teile der Nachrichten thematisch erschließen lassen. Die derzeitige Übersicht enthält allerdings lediglich 57.115 E-Mails.

Die Plattform versieht die Schriftstücke mit Kategorien, die angeblich die Schwere des jeweiligen Inhalts abbilden. 611 Nachrichten wurden als "kritisch" eingestuft, weitere 10.450 als "hoch". Die Einstufung stammt von den Betreibern und ist nicht mit einer unabhängigen Bewertung gleichzusetzen.

Inhaltlich reicht die Themenpalette von parteiinternen Auseinandersetzungen über Rassismus und Antisemitismus bis hin zu Extremismus, Desinformation und Gewaltandrohungen. Mit 14.051 Einträgen bilden Machtkämpfe innerhalb der Parteistrukturen laut Übersicht die größte Kategorie. Weitere 10.243 Schriftstücke werden dem Bereich "Rassismus _ Xenophobie" zugeordnet.

"Dreckiges Monster Merkel"

Nach Angaben der unbekannten Verantwortlichen stammen die veröffentlichten Informationen aus insgesamt zehn Mail-Postfächern. Darunter sollen sich Nachrichten von und an prominente Vertreter der Partei befinden. Genannt werden AfD-Chefin Alice Weidel, ihre Stellvertreterin Beatrix von Storch sowie die früheren Parteichefs Jörg Meuthen und Alexander Gauland. Auch zahlreiche andere aktuelle und ehemalige Funktionäre tauchen in den Unterlagen auf.

Einige der aufgelisteten Nachrichten enthalten bereits in ihren Betreffzeilen schwerwiegende Vorwürfe. So soll ein Schriftwechsel zwischen zwei AfD-Mitgliedern aus Nordrhein-Westfalen den Betreff "Verkauf von Hakenkreuzfahnen und Drogen am Infostand in Bottrop durch Kreisvorstandsmitglied" tragen. Ob die darin erhobenen Vorwürfe zutreffen, lässt sich aus der bloßen Auflistung nicht ableiten. Andere Nachrichten enthalten abwertende Formulierungen wie "Muselmanen" oder "dreckiges Monster Merkel".

Internes Dossier über AfD-Politiker Helferich

Besonders brisant ist eine mutmaßliche Nachricht des AfD-Landesschiedsgerichts Nordrhein-Westfalen an einen Kandidaten für die Landtagswahl 2022. Unter dem Betreff "NRW 30/2021 Datenschutz / Causa Helferich" soll sie ein internes Dossier über den heutigen Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich enthalten. Demnach geht es darin um antisemitische Chats und Nachrichten, in denen die NS-Zeit verherrlicht worden sein soll.

Helferich hatte sich bereits 2021 in Chat-Nachrichten als "freundliches Gesicht des NS" und "demokratischen Freisler" bezeichnet. Roland Freisler war während der NS-Diktatur Präsident des Volksgerichtshofs und für Tausende Todesurteile verantwortlich. Er war zudem Mitorganisator des Holocausts.

Die nun veröffentlichte Nachricht könnte weitere Einblicke in den parteiinternen Umgang mit dem Fall geben. Ob das Dokument vollständig und authentisch ist, muss jedoch erst überprüft werden.

Vorwürfe auch in einem Kreisverband

Ein weiterer Eintrag soll sich mit dem Rücktritt eines früheren Sprechers des AfD-Kreisverbands Lippe befassen. Als Gründe habe dieser eine Weihnachtskarte mit einem Hakenkreuz und der Aufschrift "Heil Hitler", rassistische Witze sowie rechtsextreme Einstellungen genannt, die im Kreisvorstand toleriert worden sein sollen.

Auch eine mutmaßliche E-Mail aus dem Umfeld des AfD-Landesverbands Bayern wird in der Übersicht hervorgehoben. Unter dem Betreff "Yücel, Bundestag" soll die Absenderin die Parteiführung aufgefordert haben, "Merkel verrecke und Mohammedaner verrecke" zu rufen. Die Nachricht bezieht sich laut Übersicht auf den früheren AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland.

Die Beispiele verdeutlichen die politische Brisanz des Datenleaks. Gleichzeitig gilt: Die veröffentlichten Betreffzeilen und Zusammenfassungen allein erlauben keine abschließende Beurteilung des jeweiligen Schriftverkehrs.

Persönliche Dokumente und Kontodaten betroffen

Der Datenbestand beschränkt sich offenbar nicht auf E-Mails. Laut "Bild"-Zeitung soll sich darunter auch ein Foto des Personalausweises von Markus Frohnmaier befinden, der stellvertretender Vorsitzender der AfD-Bundestagsfraktion ist.

Darüber hinaus sollen Ausweiskopien, Rechnungen, Kontoauszüge, Mitgliedsanträge und Mitgliederlisten zugänglich sein. Auch Protokolle von Sitzungen verschiedener Kreis- und Landesvorstände aus mehreren Jahren werden in der Übersicht angeführt.

Damit könnten neben internen politischen Vorgängen auch persönliche Informationen von Parteimitgliedern betroffen sein.

AfD prüft Veröffentlichung

Wer den Angriff durchgeführt und die Daten ins Netz gestellt hat, ist bislang nicht bekannt. Die Website hexane.cc bezeichnet sich als unabhängiges Dokumentenarchiv. Nach eigenen Angaben veröffentlicht sie Dokumente, interne Korrespondenz und Verwaltungsunterlagen, die von öffentlichem Interesse seien.

Die AfD bestätigte den unrechtmäßigen Zugriff auf die Postfächer, machte aber keine Angaben zur Echtheit der einzelnen veröffentlichten Dateien. Die Onlineveröffentlichung vermutlich eines Teils der gestohlenen Daten werde geprüft, erklärte die Partei.

Die IT-Sicherheitsexpertin und Journalistin Lilith Wittmann stufte den Datensatz nach einer vorläufigen Prüfung auf X als authentisch ein. Eine unabhängige Überprüfung sämtlicher Dateien liegt bislang jedoch nicht vor.

Die Plattform stellt die Inhalte über einen Index bereit. Für eine umfassende Prüfung müssen die Originaldateien heruntergeladen und untersucht werden. Aufgrund des erheblichen Datenumfangs dürfte dieser Prozess einige Zeit in Anspruch nehmen.

red, 21.10.2026, 08:15
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