Als erstes Team hat Red Bull in der Nacht auf Freitag in Detroit gemeinsam mit den Racing Bulls, dem zweiten Team im Universum des Energydrink-Imperiums, seinen Boliden für 2026 vorgestellt – oder zumindest die Lackierung dafür. Denn in der nun anstehenden Saison greifen umfangreiche Regeländerungen, sowohl beim Chassis, als auch beim Motor. Die Bullen ließen sich bei der Präsentation freilich nicht recht in die Karten blicken.
Schon jetzt wird viel spekuliert in der Motorsport-"Königsklasse". Red Bull wird nämlich erstmals selbst zum Motorenhersteller, baut den Antriebsstrang in einer eigenen Fabrik in Milton Keynes mit der Unterstützung von US-Autobauer Ford künftig selbst. Dies soll aber nicht reibungslos verlaufen, Red Bul durchaus Probleme haben, heißt es. Im Vergleich zu Mercedes. Die "Silberpfeile" sollen den klar besten Antrieb im Feld bauen, wird getuschelt.
Aus dieser Position heraus hatte Mercedes-Teamchef Wolff in Richtung Red Bull gestichelt. "Das ist wie der Mount Everest, den man besteigen muss, denn unsere Motorenabteilungen sind über Jahrzehnte hinweg gewachsen", so der Wiener durchaus selbstbewusst. Gleichzeitig meinte auch Wolff, dass man in der Formel 1 niemanden unterschätzen dürfe, der so finanzstark wie Red Bull sei. "Die Chancen stehen gehen sie, aber es könnte sein, dass es aus irgendeinem Grund funktioniert und fliegt."
Im Red-Bull-Lager kamen die Wolff-Worte nicht allzu gut an. Auch deshalb, weil der Konzern binnen kürzester Zeit die Motoren-Abteilung Red Bull Powertrains aufbaute. Das zeigten auch Äußerungen von Ben Hodgkinson, der 20 Jahre lang bei Mercedes arbeitete, 2022 dann vom Konkurrenten abgeworben wurde. Auf die Wolff-Aussagen angesprochen, konterte der 51-Jährige: "Es gab über 14.000 Besteigungen des Mount Everest. Das scheint also eine machbare Aufgabe zu sein. Das ist kein guter Vergleich von Toto." Eine klare Retourkutsche in Richtung des Mercedes-Bosses.
Und auch die Spekulationen über die Stärke des "Silberpfeil"-Motors ließ Hodgkinson kalt. "Niemand weiß, wie gut die Konkurrenz ist. Ich kann mir vorstellen, dass sie das Gerücht selbst gestreut haben, um von ihrer mittelmäßigen Saison abzulenken." Gleichzeitig betonte der Motor-Experte, welch "riesige Aufgabe" die Entwicklung des eigenen Antriebs gewesen sei. "Wir mussten 700 Leute rekrutieren, Fabriken aufbauen. Trotzdem sind wir zuversichtlich, haben Vertrauen in unsere Arbeit."
Wo die Teams stehen, wird sich erstmals bei den geheimen Formel-1-Testfahrten ab 26. Jänner in Barcelona zeigen.