Die enorme Trockenheit setzt Österreichs Landwirtschaft massiv unter Druck. Nun sorgt die geplante Dürrehilfe auch innerhalb der Bundesregierung für Diskussionen. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) und Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) telefonierten am Dienstag über das geplante Hilfspaket. Am Mittwoch sollen weitere Gespräche auf politischer Ebene folgen.
Knackpunkt ist vor allem die Frage, ob auch Bauern Geld bekommen sollen, die sich nicht gegen Dürreschäden versichert haben. Totschnig hatte zuletzt Hilfen auch für unversicherte Betriebe in Aussicht gestellt. SPÖ und NEOS sehen das angesichts der angespannten Budgetlage kritisch.
Der Schaden ist jedenfalls enorm: Die Hagelversicherung schätzt die Verluste für Österreichs Landwirtschaft auf rund eine Milliarde Euro. Davon seien lediglich rund 400 Millionen Euro versichert. In der Prognose ist ausbleibender Niederschlag bis 18. August bereits berücksichtigt. Der Schaden könnte damit noch weiter steigen.
Derzeit sind rund 80 Prozent der heimischen Ackerflächen gegen Dürre versichert. Beim Grünland sind es hingegen nur rund 40 Prozent. Bund und Länder unterstützten die Versicherungsprämien 2025 mit insgesamt rund 160 Millionen Euro. Der Zuschuss beträgt 55 Prozent.
Auch unter den Bauern selbst sorgt die Debatte für Unmut. Salzburgs Landwirtschaftskammerpräsident Rupert Quehenberger warnt davor, jene zu benachteiligen, die bereits selbst für eine Versicherung bezahlt haben. Die "Geschnapsten" dürften am Ende nicht die versicherten Bauern sein.
Ähnlich argumentieren die Neos. "Wer sich versichert, darf nicht schlechter aussteigen", heißt es aus der Partei. Ein Hilfspaket müsse auch auf Prävention setzen und dürfe nicht ausschließlich die Folgen der Trockenheit abfedern. Zudem sei der finanzielle Spielraum im Budget gering.
Auch die SPÖ verlangt, dass mögliche Hilfen "treffsicher, sparsam und langfristig" gestaltet werden. Staatssekretärin und Regierungskoordinatorin Michaela Schmidt warnt vor einer "Überförderung wie in der Vergangenheit". Es sei nicht sinnvoll, wenn die öffentliche Hand nun die Schäden unversicherter Betriebe übernehme.
Eine Möglichkeit wäre für die SPÖ, das Geld aus dem sogenannten Agrardieseltopf zu nehmen. Damit würde allerdings die Treibstoffförderung für Landwirte reduziert. Totschnig lehnt diesen Weg ab und will die dafür vorgesehenen 50 Millionen Euro nicht für die Dürrehilfe umwidmen.
SPÖ und Neos erhöhen gleichzeitig den Druck auf die ÖVP beim Klimagesetz. Beide Parteien drängen darauf, dass das Gesetz vorgelegt wird.
Für Bauern könnte die zunehmende Trockenheit auch langfristige finanzielle Folgen haben. WIFO-Ökonom Thomas Url rechnet damit, dass Versicherungen gegen Dürreschäden in den kommenden Jahren teurer werden.
Das müsse zwar nicht schon im nächsten Jahr passieren. Wegen immer häufigerer Extremwetterereignisse und steigender Schäden durch Trockenheit sei aber mit höheren Tarifen zu rechnen. Eine verpflichtende Dürreversicherung für Bauern lehnt der Experte dennoch ab.