Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) ist derzeit mit seiner Sommertour "Österreich im Gespräch" unterwegs. Am Dienstag machte er im Congress Center Villach Station – und dort ging es nicht nur um Bürgerfragen, sondern auch um die Kritik an seiner Aussage, dass Kinderbetreuung keine Arbeit sei.
Im Vorfeld der Diskussion sprach ein leicht erschöpft wirkender Stocker – er ist gerade aus Ankara zurückgejettet – auch den Vorwurf an, Politiker würden im Sommer weniger arbeiten. Seine Antwort fiel deutlich aus: "Wer sagt, dass Politiker im Sommer nichts arbeiten, den lade ich gerne ein."
Wie die "Kleine Zeitung" berichtet, war der Auftritt in Villach gut besucht. Bevor die Besucher in den Saal kamen, mussten sie Sicherheitskontrollen passieren. Beim Auftritt des Kanzlers gab es Applaus, Stocker wirkte demnach etwas erschöpft – er war gerade aus der Türkei zurückgekehrt.
Für Gesprächsstoff sorgte weiter seine Aussage zur Kinderbetreuung, die zuvor Kritik ausgelöst hatte. Stocker kündigte an, jede Frage zum Thema Familienarbeit beantworten zu wollen. "Dass ich mit meiner Aussage viele Menschen beleidigt und verletzt habe, tut mir leid."
Gleichzeitig blieb der Kanzler bei seiner Linie, dass der Staat Eltern nicht anstellen und Familienarbeit nicht wie ein Beschäftigungsverhältnis entlohnen könne. Stattdessen gehe es aus seiner Sicht darum, Familien zu unterstützen und bessere Rahmenbedingungen zu schaffen.
Die Reaktionen im Publikum fielen unterschiedlich aus. Während Vertreterinnen aus dem Bereich Gleichberechtigung Stockers frühere Formulierung kritisch sahen, nahmen andere Besucher den Kanzler in Schutz. Einige meinten, seine Aussage sei aus dem Zusammenhang gerissen oder falsch verstanden worden.
Die Sommertour selbst wurde ebenfalls unterschiedlich bewertet. Manche Besucher wollten sich ein eigenes Bild vom Kanzler machen, andere zeigten sich skeptisch und erwarteten ausweichende Antworten. Stocker stellte sich in Villach jedenfalls der Debatte – und setzte mit seiner Sommer-Ansage einen neuen Akzent.