Schwer verwundet und untergetaucht: Der neue Ober-Mullah des Iran, Modschtaba Chamenei, (56) ist spurlos verschwunden. Auch bei seiner offiziellen Ernennungszeremonie ließ er sich nicht blicken, auch eine Mitteilung gab es nicht. Lediglich sein Bild wurde gezeigt.
Könnte eine schwere Verletzung ihn an öffentlichen Auftritten hindern? Laut einem Bericht der "New York Times" sei Chamenei nämlich bereits am ersten Kriegstag durch einen Militärschlag schwer am Bein verletzt worden. Demnach war es dieselbe Attacke, bei der sein Vater – der frühere "Oberste Führer" Ajatollah Ali Chamenei – seine Mutter, sein Sohn und seine Schwester getötet wurden.
Dem widerspricht eine Information, die von Jussef Peseschkian – der Sohn des iranischen Präsidenten – am Mittwoch über den Onlinedienst Telegram verbreitet wurde. Demnach gehe es dem Ober-Mullah gut. Eine Darstellung des iranischen Exil-Mediums "Iranwire" stellt dies infrage. Demnach habe nicht einmal Peseschkian Senior Kontakt zu Chamenei.
Auch möglich ist, dass der neue Ober-Mullah sich aus Sicherheitsgründen nicht blicken lässt. Bereits vor seiner Wahl hatte Israel dem neuen geistlichen Führer mit dem Tod gedroht. Zudem wären die USA nicht gegen seine Eliminierung, berichtet "Bild".
Die iranische Bevölkerung weiß jedenfalls nicht viel über den neuen Ober-Mullah. Viele kennen nicht einmal seine Stimme. Chamenei soll aber bereits früher die Geschicke seines Vaters im Hintergrund beeinflusst haben.
Einer von WikiLeaks veröffentlichten US-Diplomateninformation zufolge soll der Oberste Führer in mehreren britischen Privatkliniken wegen Impotenz behandelt worden sein. "Es waren vier Aufenthalte nötig, darunter ein letzter von zwei Monaten. Schließlich wurde sein Sohn nach dem Großvater des Kindes 'Ali' genannt", heißt es in dem Bericht.
Aber auch einen Hang zum Luxus soll der Ober-Mullah haben. Laut Berichten verwaltet er ein Investmentimperium von mehr als 100 Millionen Dollar und soll Zugang zu luxuriösen Immobilien in Großbritannien sowie zu Schweizer Bankkonten haben. Auch ein brisanter Bezug zu Österreich ist vorhanden.
Demnach soll eine Firmenbeteiligung an einem Luxus-Hotel in Kitzbühel zu einem iranischen Ex-Banker führen. Dieser gelte als Geldmann des neuen geistlichen Führers – zuerst berichtete der "Standard" über den Fall.
Seine nunmehrige Abwesenheit könnte für den Iran jedoch zu einem Problem werden. Das Regime steht nahezu ohne Führung da. Besonders prekär könnte die Lage bezüglich des Nouruz-Neujahrsfests im März werden. Da die Führungsebenen scheinbar nicht funktionieren, müssen Beamte um ihre anstehenden Boni zittern. Obwohl die Staatspropaganda sein Fehlen als Stärke verkauft, könnten sich einige Beamte wohl gegen den neuen Ober-Mullah auflehnen.
Kritik gab es schon bei seiner Ernennung. Die Verfassung der Islamischen Republik verbietet die Bildung von Herrschaftsdynastien. Die Monarchie werde als "unislamisch" angesehen. Des Weiteren hat Chamenei im Gegensatz zu seinem Vater nicht den Titel eines Ajatollahs inne.