Aufregung um Luxus-Hotel

Irans Ober-Mullah mit brisantem Bezug zu Österreich

Eine Firmenbeteiligung an einem Luxus-Hotel in Kitzbühel führt zu einem iranischen Ex-Banker, der als Geldmann von Modschtaba Chamenei gelten soll.
André Wilding
09.03.2026, 20:26
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Ein luxuriöses Fünf-Sterne-Hotel in Kitzbühel sorgt derzeit für politische Brisanz. Hinter den Eigentumsverhältnissen des Schloss-Hotel Kitzbühel führt laut Recherchen der Tageszeitung "STANDARD" eine Spur zu einem iranischen Ex-Banker - und möglicherweise bis in die Spitze der Macht im Iran.

150 Zimmer, großer Spa-Bereich

Das Hotel liegt nur wenige Gehminuten vom Hahnenkamm und der Kitzbüheler Altstadt entfernt. Das Gebäude ist einem alpinen Schlösschen nachempfunden, bietet rund 150 Zimmer und Suiten sowie einen etwa 3.000 Quadratmeter großen Spa-Bereich. Auch Prominente wie Boris Becker oder Arnold Schwarzenegger waren bereits zu Gast.

Doch im Hintergrund geht es um mehr als nur Tiroler Luxus. Laut Firmenbuch hält eine Firma aus Mailand, die Panarea Investimento S. R. L., etwas mehr als 20 Prozent an dem Hotel, berichtet die Tageszeitung.

Von dieser Beteiligung führt eine Spur zu Ali Ansari. Der ehemalige Banker gilt als einer der reichsten Männer des Iran. Laut Recherchen internationaler Medien soll er als Strohmann für Modschtaba Chamenei auftreten - den Sohn des früheren iranischen Revolutionsführers Ali Chamenei und inoffiziellen Chef der Revolutionsgarden.

Internationales Immobiliennetzwerk

Bloomberg und die Financial Times berichteten bereits im Jänner, dass Chamenei junior über ein internationales Immobiliennetzwerk verfügen soll, das rund 400 Millionen Euro wert sein dürfte. Dazu sollen Hotels in Deutschland und auf Mallorca, Wohnungen in London sowie eine Villa in Dubai zählen. Offiziell laufen diese Vermögenswerte über Ansari.

Auch in Österreich taucht der Name des Ex-Bankers auf. Neben der Beteiligung am Hotel in Tirol gab es laut Berichten auch einen geplanten Firmenkauf in Wien. Dabei ging es um ein Unternehmen, das früher Spar-Supermärkte im Iran betrieben hatte. Der Deal scheiterte allerdings Ende 2024, heißt es im "STANDARD".

Beim Schloss-Hotel selbst sind laut Firmenbuch zahlreiche Eigentümer beteiligt, vor allem aus Österreich und Deutschland. Die italienische Panarea wiederum gehört vollständig der German ETD GmbH aus Frankfurt. Laut deutschem Unternehmensregister ist Ali Ansari deren alleiniger Eigentümer.

Blutiges Vorgehen gegen Proteste

Der Ex-Banker steht in Großbritannien unter Sanktionen. Ihm wird vorgeworfen, die iranischen Revolutionsgarden finanziell unterstützt zu haben. Diese waren unter anderem am blutigen Vorgehen gegen Proteste im Iran beteiligt, heißt es weiter.

Nach Recherchen soll Ansari bei internationalen Geschäften als Frontmann für Modschtaba Chamenei agieren. Bloomberg bezeichnete ihn als "Modschtaba Geldmann". Der Iran-Experte Farzin Nadimi erklärte dazu, dass sich bei der Analyse des Finanznetzwerks zeige, "dass Ali Ansari sein Hauptkontoinhaber ist".

Wie Ansari schließlich Anteile am Kitzbüheler Hotel erwarb, ist unklar. Fest steht jedoch, dass Anfang der 2020er-Jahre mehrere Anteile unter den zahlreichen Eigentümern den Besitzer wechselten. Dabei konnte Panarea immer mehr Beteiligungen erwerben.

Laut Insidern soll sogar eine Mehrheitsübernahme angestrebt worden sein. Doch diese Pläne scheiterten offenbar am Widerstand innerhalb des Hotels.

"Wir haben frühzeitig agiert"

Als 2022 erste Medienberichte über Ansaris mutmaßliche Verbindungen zu den Revolutionsgarden und zu Khamenei junior auftauchten, reagierte das Management. Die Eigentümer wurden zusammengerufen, und schließlich wurde beschlossen, die Firma Panarea aus dem Kreis der Gesellschafter zu entfernen.

Ein Vertreter des Hotels erklärt dem "STANDARD" dazu: Panarea "habe eine feindliche Übernahme versucht". Zudem betont er gegenüber der Tageszeitung weiter: "Wir haben frühzeitig agiert".

Ganz abgeschlossen ist die Sache jedoch noch nicht. Panarea hat gegen den Ausschluss geklagt. Seit Juli 2025 läuft ein Gerichtsverfahren - zunächst in Tirol, inzwischen vor dem Obersten Gerichtshof in Wien. Eine endgültige Entscheidung gibt es noch nicht, weshalb die Firma weiterhin als Teileigentümer geführt wird.

Spürbare Folgen für Luxus-Hotel

Für das Hotel brachte die Affäre laut "STANDARD" bereits spürbare Folgen. Die Buchungsplattform Booking.com entfernte das Haus aus ihrem Angebot, nachdem die Financial Times erstmals über die Verbindung zu Ansaris Immobiliennetzwerk berichtet hatte. Laut Hotel stehe man im Austausch mit der Plattform, um die Sperre wieder aufheben zu lassen, berichtet die Tageszeitung.

Von Ansaris Anwalt Roger Gherson heißt es zu den Vorwürfen gegenüber dem "STANDARD": Ansari gebe zur Causa Hotel "keinen Kommentar" ab. Außerdem betone er: "Herr Ansari bestreitet vehement jegliche finanzielle Beziehung zum Islamischen Revolutionsgarde-Korps des Iran oder zum Sohn des ehemaligen Obersten Führers". Die gegen ihn verhängten Sanktionen in Großbritannien wolle er anfechten.

Ob die Spur aus Tirol tatsächlich bis in die Machtzentrale des Iran führt, ist juristisch noch ungeklärt. Für das Luxushotel in Kitzbühel bleibt die Affäre vorerst ein heikler Schatten über der glamourösen Fassade.

{title && {title} } wil, {title && {title} } 09.03.2026, 20:26
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