Influencer im Visier

Videos von Angriffen gepostet: 300 Festnahmen in Katar

Weil sie wahre Videos gepostet haben, müssen sie wegen "Verbreitung von Falschnachrichten" in Haft. Ein Blick in die harte Realität der Golfstaaten.
Nick Wolfinger
09.03.2026, 12:35
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Für Promis und Influencer gelten die Emirate am Arabischen Golf als luxuriöser Rückzugsort und Steueroasen. Was viele dabei vergessen: Keiner dieser Staaten ist eine Demokratie. Meinungsfreiheit gibt es nur so lange, wie die Interessen der Herrscherhäuser nicht gefährdet werden.

Unter dem Vorwand, "Fake News" zu bekämpfen, werden nun immer mehr Menschen festgenommen, die nichts anderes getan haben, als Videos von Angriffen hochzuladen, um die Realität zu zeigen. In den Golf-Staaten ein "Verbrechen". Die Vereinigten Arabischen Emirate bezahlen jetzt sogar Influencer dafür, um zu behaupten, Dubai sei sicher – und droht allen anderen, die sich nicht fügen, ebenfalls mit Haft.

Das Verbreiten von "Gerüchten", die zur Störung der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit führen können, ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten (Dubai, Abu Dhabi) verboten. So auch im Staat Katar, das nur etwa 100 Kilometer von Dubai entfernt liegt.

313 Festnahmen wegen "irreführender Informationen"

Während aus Dubai und Abu Dhabi bisher keine Berichte über Festnahmen von Influencern vorliegen, die mit dem Posten von Videos gegen die Zensur verstoßen hätten (Warnungen wurden jedoch bereits verschickt), greift der Wüstenstaat Katar nun durch.

In Katar sind jetzt mehr als 300 Menschen unter dem Vorwurf festgenommen worden, mit Bildaufnahmen "irreführende Informationen" verbreitet zu haben. Die Betroffenen "filmten und verbreiteten Videoclips und veröffentlichten irreführende Informationen und Gerüchte, die die öffentliche Meinung aufwiegeln könnten", hieß es in einer am Montag verbreiteten Erklärung des Innenministeriums.

Menschen aus verschiedenen Ländern

Bei den 313 Festgenommenen handele es sich um Staatsbürger verschiedener Länder. Andere Staaten in der Region hatte in den vergangenen Tagen ähnliche Schritte unternommen. In Bahrain etwa wurden am Freitag nach Angaben des Innenministeriums vier Menschen festgenommen, weil sie "Falschnachrichten" zu iranischen Angriffen verbreitet hätten. Auch in Kuwait gab es Festnahmen.

Weitere Festnahmen drohen in der Region

In den Vereinigten Arabischen Emiraten warnten die Behörden die Einwohner vor der Veröffentlichung "unzuverlässiger Informationen". In Saudi-Arabien gab es ähnliche Warnungen. Dennoch zirkulieren im Internet und in Onlinediensten zahlreiche Aufnahmen von Raketen, Drohnen und den Folgen des Krieges.

Die USA und Israel hatten Ende Februar massive Luftangriffe auf den Iran gestartet, bei denen der oberste Anführer Ayatollah Ali Chamenei und weitere Mitglieder der iranischen Führung getötet wurden. Teheran reagierte mit Angriffen auf Israel sowie auf mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Golfregion.

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