Die Zahl der behördlich veranlassten Wolfsabschüsse in Österreich hat laut WWF einen neuen Höchststand erreicht. Bereits im ersten Halbjahr 2026 wurden mindestens 23 Tiere auf Basis von Verordnungen der Bundesländer getötet. Damit liegt die Zahl schon jetzt über jener des gesamten Vorjahres. 2025 waren es laut WWF insgesamt 22 behördliche Tötungen.
"Im Schnitt wurde heuer alle acht Tage ein Wolf abgeschossen. Das ist ein völlig überzogenes Vorgehen gegen eine geschützte Art, deren Population in Österreich weiterhin klein und fragil ist", sagt WWF-Experte Christian Pichler.
Der WWF kritisiert außerdem, dass die derzeitige Abschusspraxis aus seiner Sicht nicht mit den strengen Vorgaben des EU-Artenschutzrechts vereinbar sei. Ausnahmen vom Schutzstatus seien nur nach einer sorgfältigen Einzelfallprüfung zulässig.
Mehr als 90 Prozent der Abschüsse entfallen laut WWF auf Kärnten und Tirol. Kärnten meldete bis zum 9. Juni bereits zwölf Fälle, Tirol bis Ende Juni neun. Je ein weiterer Abschuss wurde in Salzburg und Niederösterreich registriert.
Zu den Fällen zählt auch die Tötung des italienischen Forschungswolfs Mirco, die für heftige Kritik sorgte.
"Kärnten und Tirol stehen für eine besonders fragwürdige Abschusspolitik, die normales Wolfsverhalten vorschnell zum Risiko erklärt. Viel zu oft wird eine rasche Tötung freigegeben, bevor gelindere Mittel ernsthaft geprüft und ausgeschöpft werden", sagt Pichler.
Der WWF fordert stattdessen den Ausbau eines fachgerechten Herdenschutzes. Gut geplante Maßnahmen könnten Konflikte mit Beutegreifern verringern und zugleich Abstürze oder Krankheiten bei Weidetieren reduzieren.
Besonders kritisch sieht die Naturschutzorganisation, dass die Abschüsse eine noch kleine Wolfspopulation treffen. Im Jahr 2025 wurden in Österreich insgesamt 121 Wölfe genetisch bestätigt. Die mindestens 23 heuer bereits getöteten Tiere entsprechen damit fast einem Fünftel dieser Größenordnung.
"Ständiger Abschussdruck erschwert den Aufbau von Wolfsfamilien. Dabei können stabile Rudel zur Beruhigung der Situation beitragen, weil sie Reviere besetzen und die Zuwanderung durchziehender Jungwölfe aus den Nachbarländern begrenzen", sagt Wolfsexperte Christian Pichler.
Laut Statusbericht des Österreich-Zentrums sank die Zahl der nachgewiesenen Wolfsrudel im Vorjahr von neun auf acht. Nur drei Familien hatten demnach sicher Nachwuchs.