Traumatische Erinnerungen: Mit 18 Jahren dachte Renate H., sie habe ihren Traummann gefunden. Schnell wurde jedoch klar: Ihr Leben mit ihm entwickelte sich stattdessen zum Albtraum. Immer wieder schlug oder beschimpfte er die Steirerin – bis die Gewalt schließlich eskalierte und das Leben der 52-Jährigen für immer veränderte.
Ihre Beziehung war von Aggressionen geprägt – verbal und psychisch wurde Renate zehn Jahre lang von ihrem Mann misshandelt. "Ich dachte immer, dass es schon gehen wird, wenn ich nur das mache, was er von mir will", erinnert sie sich. Aus ihrer Kindheit kannte sie bereits ähnliche Situationen – doch irgendwann versuchte die Grazerin, einen Schlussstrich zu ziehen.
Am Valentinstag 2002 teilte sie ihm mit, sie wolle die Ehe beenden." "Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht sein Hund bin", dann geriet alles aus den Fugen – eine furchtbare Gewaltorgie folgte. "Ich habe von da an Amnesie, erinnere mich nur noch, wie ich im LKH Graz aufgewacht bin." Vier Wochen lang lag die Steirerin mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma im Koma. "Mein Ex hat allen erzählt, ich wäre aus dem ersten Stock unseres Hauses gesprungen und hätte mein Leben beenden wollen."
Schon immer wusste die damals 28-Jährige: Diese Version ist eine Lüge. Und das sollte sich schon bald bestätigen: Ein anonymer Brief wurde der Polizei zugespielt. Die Schilderungen darin machten deutlich. Renate kann gar nicht selbst gesprungen sein, da ihre Verletzungen nicht mit der Geschichte zusammenpassten – Mordermittlungen!
Die Verletzungen deuteten klar auf stumpfe Gewalteinwirkung gegen den Hinterkopf. Renates Mann wurde zu 13 Jahren Haft verurteilt, kam jedoch nach acht Jahren wegen guter Führung raus, erinnert sich die 56-Jährige im "Heute"-Gespräch.
Den Weg der Genesung und der Traumabewältigung beschreibt die Steirerin selbst als "elend", – heute hat sie ihr Leben jedoch gewandelt und geht öffentlich gegen Gewalt an Frauen vor. So nimmt Renate H. an der bundesweiten Aktion "Gehen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen" von 10. bis 13. September teil – wird dort zusammen mit anderen Unterstützenden in Niederösterreich wandern, um Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen.