"Enormer Wert"

Riesiger Schatz aus der Donau sorgt für Aufsehen

Eine Tonne Eisen, genug für 500 Schwerter: In Oberösterreich wurde Europas größter Fund dieser Art aus der La-Tène-Zeit entdeckt.
Newsdesk Heute
21.09.2026, 05:31
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Bei Kiesabbauarbeiten in Oberösterreich kam bereits 2019 ein Fund ans Licht, der nun für Aufsehen sorgt: Eine große Menge verrosteter Eisenobjekte entpuppte sich nach Analysen als Europas größter bekannter Massenfund eisenzeitlicher Eisenbarren.

Untersucht wurde der "rostige Schatz" von Archäologen um Peter Trebsche von der Universität Innsbruck. Radiokarbondatierungen und weitere Analysen zeigten: Die Objekte stammen aus der La-Tène-Zeit, also aus der Mitte des 5. bis zum 1. Jahrhundert vor Christus. Ihre Ergebnisse wurden im Fachjournal "Antiquity" veröffentlicht.

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Reger Handel

"Es grenzt an ein kleines Wunder, dass dieser außergewöhnliche Fund nicht bei Schrotthändlern gelandet ist, sondern dem österreichischen Bundesdenkmalamt gemeldet wurde", sagt Studienautor Trebsche. Die Finder hätten sich außerdem entschlossen, den Fund einer öffentlichen Museumssammlung zu übergeben.

Insgesamt geht es um mindestens 500 Eisen-Halbfabrikate mit einem Gesamtgewicht von mehr als einer Tonne. Die Barren waren noch nicht zu fertigen Gegenständen ausgeformt, sondern für die Weiterverarbeitung bestimmt. Genau solche Halbfabrikate würden laut Trebsche oft gar nicht als solche erkannt und seien schwer zu datieren.

Eine Auswahl an Eisenbarren aus Deinham, die für eine Weiterverarbeitung bestimmt waren.
Andreas Blaickner/Markus Staudt/Universität Innsbruck

Die Menge ist gewaltig: Aus dem Eisen hätten sich ungefähr 500 Schwerter herstellen lassen, wenn man von einem durchschnittlichen Gewicht von 1,5 bis 2 Kilogramm pro Schwert ausgeht. Für die Forschung ist das ein Hinweis darauf, dass Eisenproduktion und Handel in der späten Eisenzeit deutlich größere Dimensionen hatten als bisher nachweisbar.

Besonders spannend ist der mögliche Weg der Ladung. Die Forschenden vermuten, dass das Eisen auf der Donau flussabwärts transportiert wurde und bei einem Schiffsunglück verloren ging. Trebsche sieht darin einen Hinweis auf "leistungsfähige, gut organisierte Möglichkeiten der Binnenschifffahrt" in den mitteleuropäischen Gesellschaften der späten Urgeschichte.

Enormer Wert

Woher die Barren genau kamen, ist nicht endgültig geklärt. Wahrscheinlich wurden sie in Bayern geschmiedet, wo in der Nähe mehrerer Oppida Eisenproduktionsstätten bekannt sind. Oppida waren große befestigte Siedlungen im eisenzeitlichen Europa.

Das Ziel der Ladung bleibt dagegen unbekannt. Fix ist aber, dass der Wert des Fundes enorm war. "Selbst wenn man Materialverluste bei der Verarbeitung berücksichtigt, hätte das Eisen aus Deinham ausgereicht, um eine große Gruppe von Kriegern mit Waffen auszustatten", heißt es in der Analyse.

Im bedeutenden Oppidum von Manching in Bayern, das nahe dem Erzabbaugebietes lag, waren schon früher ein Goldschatz aus 443 Münzen mit einem Gesamtgewicht von 3,7 Kilogramm gefunden worden. "Der Wert dieser Münzen könnte durchaus dem einer Tonne Eisen entsprochen haben", so die Forscher.

Dass eine derart große Menge Eisen auf einmal transportiert wurde, führe die stark gestiegenen Kapazitäten der Eisenproduktion im Donauraum im 3. und 2. Jahrhundert vor Christus deutlich vor Augen.

red,21.09.2026, 05:31