Forscher warnt alle

"Augen zu, Ohren zu, geht einfach nicht mehr"

Nach dem Hitzesommer 2026 sieht Klimaforscher Gottfried Kirchengast keine Ausreden mehr. Er fordert mit harten Worten ein Umdenken der Politik.
Newsdesk Heute
19.09.2026, 15:18
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Der Hitzesommer 2026 soll aus Sicht von Klimaforscher Gottfried Kirchengast ein Wendepunkt sein. Die Daten seien so klar, dass Verdrängen keine Option mehr sei. Seine Botschaft: "Augen zu, Ohren zu, geht einfach nicht mehr."

Ausgangspunkt sind zwei massive Hitzewellen in Österreich. Die erste dauerte von 17. Juni bis 2. Juli, die zweite von 25. Juli bis 17. August. Die Temperaturen stiegen auf bis zu 41,2 Grad Celsius. Nach Angaben der "Kleine Zeitung" stützt Kirchengast seine Analyse auf eine neue Methode, die im Februar im Fachjournal "Weather and Climate Extremes" vorgestellt wurde.

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Dabei geht es nicht nur um einzelne Rekordwerte. Entscheidend ist, wie lange die Hitze anhält, wie groß die betroffene Fläche ist und wie stark die 30-Grad-Schwelle überschritten wird. Dafür verwenden Kirchengast und sein Team sogenannte Arealgradtage.

Das Ergebnis zeigt die Dimension des Sommers: Die erste Hitzewelle erreichte bundesweit rund 16.900 Arealgradtage. Die zweite brachte rund 26.400 Arealgradtage. Zusammen mit dem weiteren Verlauf stand 2026 bis zum Wetterwechsel im September bereits bei rund 50.000 Arealgradtagen.

Kirchengast ordnet diese Werte historisch ein. Die "Jahrhundertsommer" 2003 und 2015 blieben knapp unter 25.000 beziehungsweise 40.000 Arealgradtagen. Das Ausmaß der Hitzeglocke Ende Juli und Anfang August habe damit so gut wie sicher die letzten rund 1.000 Jahre übertroffen.

Faktor Mensch

Für den Forscher ist der menschengemachte Anteil entscheidend. Im Vergleich zur Zeit vor Beginn der Industrialisierung liegt das sommerliche Temperaturniveau in Österreich bereits um durchschnittlich drei bis vier Grad höher. Europa und besonders der Alpenraum sind ein Hotspot der Erderwärmung.

Bei schweren aktuellen Hitzewellen könne laut Kirchengast rund 80 Prozent der Schwere auf menschengemachte Emissionen zurückgeführt werden. Er sagt: "Rechnet man zurück, ist man in den vergangenen Jahrhunderten wirklich weit von dem Ausmaß weg gewesen, von dem, was diese beiden Hitzewellen 2026 erreicht haben."

Der Sommer 2026 soll nun auch in konkrete Schäden übersetzt werden. Kirchengast und sein Team arbeiten an einer Detailstudie, die wirtschaftliche und gesundheitliche Folgen der Extremhitze erfassen soll. Dabei geht es unter anderem um Arbeitsproduktivität, Landwirtschaft und Gesundheitssystem.

"Erbärmliches Niveau"

Der Grazer Wissenschaftler kann sich vorstellen, dass die Ereignisse des Sommers auch bei Leugnern des menschlichen Einflusses auf den Klimawandel etwas auslösen, sofern diese den Diskurs nicht grundsätzlich verweigern – wie etwa Herbert Kickl.

In Einzelgesprächen will Kirchengast auch bei Menschen aus dem politischen Bereich, die zuletzt sehr abweisend gewesen seien, zunehmende "Verunsicherung" beobachtet haben. Dennoch sei es "traurig", auf welch "erbärmlichem Niveau" sich die gesellschaftliche Diskussion immer noch abspiele.

Dieser Hitzesommer sollte dennoch für alle ein Anlass sein, "um neu nachzudenken". Denn eine Wiederholung wird immer wahrscheinlicher: Die statistische Wahrscheinlichkeit, dass es bereits in wenigen Jahren wieder ähnlich extrem wird, ist mittlerweile stark gestiegen.

red,19.09.2026, 15:18