Während Europa aktuell unter der Hitze stöhnt, entwickelt sich auch der weltweite Temperaturanstieg in Richtung beunruhigender Rekorde. 2026 liegt er voraussichtlich bei 1,62 Grad, 2027 sogar bei 1,71 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau. Auch der langfristige Temperaturanstieg – ein Mittelwert über einen Zeitraum von 20 Jahren – überschreitet bereits ab 2026 das 1,5-Grad-Limit des Pariser Klimaabkommens.
Diese Prognose gelang Forschenden der Universität Graz erstmals so weit im Voraus. Die anwachsende Klimaschwankung El Niño begünstige die Vorhersagequalität und erleichtere dadurch eine zuverlässige Berechnung, heißt es seitens der Institution am Donnerstag.
"Eine derart frühe und genaue Vorhersage gleich für zwei Jahre, und das kombiniert mit einer langfristigen bis 2035, ist ein echtes Novum. Wir verstehen mittlerweile den Wärmeantrieb durch die menschengemachten Treibhausgasemissionen im Zusammenwirken mit natürlichen Schwankungen wie El Niño so gut, dass wir die Prognose zuverlässig erstellen konnten", erklärt Gottfried Kirchengast, Klimaforscher am Wegener Center und Institut für Physik der Universität Graz.
Sein Doktorand Moritz Pichler, mit dem er die innovative Methodik entwickelt hat, ergänzt: "Wir nutzten bis Mai 2026 Beobachtungsdaten, ab Juni Saisonvorhersagen und für das Jahr 2027 das gute Vorwissen über die weiter zunehmende Erderwärmung sowie den Temperaturverlauf bei starken El-Niño-Ereignissen."
Letztere tragen allerdings nur einen geringen Teil zur steigenden Hitze weltweit bei. Besonders besorgniserregend finden die Forscher den durch die Treibhausgasemissionen angeheizten langfristigen Temperaturanstieg.
Ihr neuer Referenzdatensatz zur globalen oberflächennahen Lufttemperatur seit 1850 zeigt mit über 99 Prozent statistischer Sicherheit eine beschleunigte Zunahme seit 1980 und mittlerweile eine drastische Kollision mit den Pariser Klimazielen. Die langfristige Erwärmung erreicht nächstes Jahr 1,55 Grad und überschreitet voraussichtlich bereits 2032 mit 1,7 Grad sogar das Grenzziel von "deutlich unter zwei Grad" aus dem Pariser Abkommen.
"Ursache ist die fehlende Ambition beim Klimaschutz. Vermeidbar gewesene Klimagefahren wie die derzeitige extreme Hitzewelle in Europa sind die direkte Folge", sagt Kirchengast.
Gottfried Kirchengast hatte erst Anfang des Jahres auch eine bahnbrechende Methode zur Berechnung von Gefahrengrößen für Wetter- und Klimaextreme vorgestellt. Damit konnte er den Zusammenhang des menschengemachten Anstiegs an Wärmeenergie in der globalen Atmosphäre mit der extremen Hitze in Österreich und ganz Europa nachweisen.
Gemeinsam mit Jürgen Fuchsberger aus seinem Team hat er die Methode nun zur Analyse der aktuellen Hitzewelle in Österreich eingesetzt und zeigt, dass selbst dieses Einzelereignis durch die globale Erwärmung gesteuert ist.
Sein kritisches Fazit: "Ich bin durch mein Vorwissen fachlich nicht überrascht, aber wirklich bestürzt, wie deutlich wir an einer einzelnen Hitzewelle schon den Einfluss der Erderwärmung und damit das bisherige Klimaschutzversagen sehen. Das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit gegenüber wenig emittierenden und stark betroffenen ärmeren Menschen und der jetzigen Kindergeneration."