Großer Erfolg für Shida Bazyar: Die Schriftstellerin gewinnt mit ihrem Roman "Die Lücken" den Deutschen Buchpreis 2026. Die Jury würdigte das Werk als eindringlichen "Roman gegen Gleichgültigkeit".
In dem rund 500 Seiten starken Roman führt Bazyar in den fiktiven Hunsrück-Ort Heimesbach. Dort verbindet sie jüdisches Leben und die NS-Vergangenheit mit den Geschichten kurdischer und iranischer Menschen, die in Deutschland Schutz suchen.
Ungewöhnlich ist die Perspektive: Die Ich-Erzählerin ist bereits tot. Nach einem Verkehrsunfall erfährt sie mehr über die Vergangenheit ihres Heimatortes und kehrt dorthin zurück, wo sie einst als zehnjähriges Mädchen mit ihrer Familie als Flüchtling ankam.
Im Mittelpunkt stehen jüdische Familien, NS-Profiteure und lange verschwiegene Wahrheiten. Es geht um Rassismus, Lügen und Verdrängung – und darum, wie die Vergangenheit bis heute nachwirkt.
Auch in ihrer Dankesrede wurde Bazyar politisch. Sie warnte vor der zunehmenden Radikalisierung in Deutschland und erklärte, derzeit gebe es kaum eine Minderheit, die keinen Grund zur Sorge habe. Kritik übte sie auch an der von der AfD geforderten "Remigration".
Der Deutsche Buchpreis zählt zu den wichtigsten Literaturpreisen im deutschsprachigen Raum und ist mit 25.000 Euro dotiert.
Verliehen wurde der Preis kurz vor dem Start der Frankfurter Buchmesse. Gastland ist heuer Tschechien. Für Spannung sorgt die Eröffnungsrede der regierungskritischen Autorin Radka Denemarkova – seit Dezember 2025 wird Tschechien von einer rechtspopulistischen Koalition unter Andrej Babis regiert.