Kabarett

Alex Kristan: "Vernünftig ist wie tot – nur vorher"

In seinem neuen Programm "Born to Be Child" verabschiedet sich der Kabarettist von übertriebener Vernunft und falschen Erwartungen.
Heute Entertainment
06.10.2026, 06:00
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Erwachsen sein? Ja. Erwachsen werden? Nicht unbedingt. In seinem neuen Programm "Born to Be Child" macht Alex Kristan Schluss mit übertriebener Vernunft und falschen Erwartungen. Am 6. Oktober feiert er damit im Globe Wien Premiere.

Was bleibt eigentlich von dem Kind, das man einmal war? Bei Alex Kristan (54) offenbar eine ganze Menge. Und wenn es nach dem Kabarettisten geht, sollte das auch so bleiben. In seinem neuen Programm "Born to Be Child" dreht sich deshalb alles um den Spaß am Leben, Neugier, Freiheit – und die Frage, warum wir uns all das mit zunehmendem Alter so gerne selbst abgewöhnen.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Sein Motto bringt die Sache ziemlich deutlich auf den Punkt: "Vernünftig ist wie tot – nur vorher."

Natürlich ist auch Kristan heute vernünftiger als mit 20. "Was meinen Lebensstil betrifft, bin ich sicher vernünftiger als früher", erzählt er. Ein gutes Glas Wein darf trotzdem sein. Gleichzeitig achtet er auf seinen Körper, schließlich möchte er seinen Job noch viele Jahre mit derselben Intensität machen.

Nicht ständig Erwartungen erfüllen

"Born to Be Child" ist dabei kein Plädoyer dafür, sämtliche Verantwortung über Bord zu werfen. Vielmehr geht es Kristan darum, sich jene Eigenschaften zu erhalten, die im Erwachsenenleben gerne verloren gehen: Unbekümmertheit, Neugier und die Freiheit, nicht ständig darüber nachzudenken, was andere von einem erwarten.

Für sich selbst hat der Kabarettist jedenfalls eine klare Entscheidung getroffen: "Ich möchte keine Erwartungshaltungen mehr erfüllen, die nicht zu mir passen."

Authentisch zu sein, sei ihm heute wichtiger, als es jedem recht zu machen. Seine Zeit möchte er mit Menschen verbringen, die ihn bereichern statt belasten. Oder anders gesagt: kein "Ja" zu anderen, wenn dieses gleichzeitig ein "Nein" zu sich selbst bedeutet.

Auch beim Blick aufs Leben hält Kristan wenig davon, vergangenen Zeiten nachzutrauern. "Es macht keinen Sinn, zurückzublicken und zu sagen: Warum? Sondern nach vorne und zu sagen: Warum eigentlich nicht?"

Das Leben darf Spaß machen

Dazu passt auch Kristans Blick auf den aktuellen Longevity-Hype. Statt jedem Versprechen ewiger Jugend hinterherzulaufen, setzt er auf erstaunlich unspektakuläre Dinge: Bewegung, Krafttraining, gute Ernährung, Schlaf und stabile soziale Beziehungen.

Denn jung zu bleiben ist für Kristan offenbar ohnehin weniger eine Frage des Geburtsdatums als der Einstellung.

Und natürlich darf auch sein Humor weiterhin anecken. Political Correctness soll einer guten Pointe nicht ständig im Weg stehen – einen Freibrief für Provokationen sieht Kristan darin allerdings nicht. "Eine Grenzüberschreitung allein ist noch keine Pointe."

Humor könne schließlich mehr, als nur für Lacher zu sorgen: "Humor ist die angenehmste Form, unbequeme Wahrheiten so zu servieren, dass sie trotzdem schmackhaft sind."

Was das alles mit dem Kind in uns zu tun hat? Vielleicht mehr, als man zunächst denkt. Neugierig bleiben, nicht jede Regel ungefragt akzeptieren und sich den Spaß nicht nehmen lassen.

Oder, wie Kristan es passend zu "Born to Be Child" formuliert: "We are all going to hell, but with the best stories to tell."

red,06.10.2026, 06:00