Selbstbedienungskassen sind aus modernen Supermärkten kaum noch wegzudenken. Sie sollen Zeit sparen und Personalkosten senken. Doch nun erhebt ein britischer Einzelhandels-Chef schwere Vorwürfe gegen die Technologie.
Archie Norman, Vorsitzender der Kette Marks & Spencer, macht die SB-Kassen für steigende Diebstahlszahlen verantwortlich. Die Technologie habe die "menschliche Verbindung" zwischen Personal und Kunden gekappt.
Wie chip.de unter Berufung auf den britischen Radiosender LBC berichtet, kritisiert Norman: Wenn niemand die Kassen überwacht und ein Artikel nicht erfasst wird, sagen viele Kunden: "Es ist nicht meine Schuld und ich habe keine Zeit." Dadurch würden "normalerweise gute, ehrliche Menschen" eher zur Ware greifen, statt den Vorgang zu klären.
Marks & Spencer hat in den vergangenen Jahren Hunderte zusätzliche Self-Checkouts installiert. Damit wollte die Kette rund 150 Millionen Pfund einsparen. Nun zeigt sich die Kehrseite: Allein in England wurden im vergangenen Jahr über 509.000 Ladendiebstähle registriert.
US-Handelsriese Walmart reagiert bereits mit einer sogenannten "Einfrier"-Taktik. Dabei können Mitarbeiter Kassen kurzfristig sperren, wenn sie vermuten, dass Kunden Ware nicht scannen. Der Konzern verliert jährlich bis zu drei Milliarden Dollar durch Diebstähle.
Auch hierzulande setzen Händler auf neue Schutzmaßnahmen: abschließbare Vitrinen, KI-gestützte Kameras an SB-Kassen, mehr Personalpräsenz und stichprobenartige Taschenkontrollen. Manche Filialen lassen mittlerweile nur noch registrierte Stammkunden an die Selbstbedienungskassen.