Laut Sicherheitsstudie berichten 86 Prozent der Händler von kriminellen Vorfällen in ihren Geschäften. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Ladendiebstahl – dieser macht laut Studie bei 91 Prozent der betroffenen Betriebe den größten Teil der Delikte aus.
Um dem Problem entgegenzuwirken, setzen einige Unternehmen nun verstärkt auf neue Technologien. Wie 20 Minuten berichtet, hat das Schweizer Unternehmen ExpertVision AI AG eine künstliche Intelligenz entwickelt, die verdächtiges Verhalten im Geschäft erkennen und so Ladendiebstähle frühzeitig verhindern soll.
Gründer Alejandro Garcia erklärt: "Seit es Self-Checkouts gibt, sind solche Diebstähle regelrecht explodiert." Insgesamt entsteht dem österreichischen Einzelhandel dadurch jährlich ein Schaden von rund 500 Millionen Euro. Geld, das den Unternehmen letztlich für Investitionen, Innovationen oder bessere Serviceangebote fehlt.
"Je mehr gestohlen wird, desto größer wird der Druck, die Preise zu erhöhen. Eine KI kann hier effizient helfen", so Garcia.
Erst vor Kurzem hat der Handelsriese Rewe angekündigt, auf KI zu setzen, um verdächtige Einkäufe an SB-Kassen zu erkennen und Ladendiebstahl gezielter zu verhindern – "Heute" hat berichtet.
Die Software analysiert die Aufnahmen der vorhandenen Überwachungskameras im Geschäft. Sie erkennt, wenn Waren in private Taschen wandern oder beim Self-Checkout einfach nicht gescannt werden. Wird ein verdächtiges Verhalten entdeckt, schlägt das System Alarm und informiert sofort die Filialleitung. "So kann sofort reagiert werden – die endgültige Entscheidung, ob es sich tatsächlich um Diebstahl handelt, trifft aber immer ein Mensch", betont Garcia.
Die Technologie kann laut Garcia die Verluste durch Diebstähle im überwachten Bereich um mehr als 70 Prozent senken. "In einem margenschwachen Umfeld kann das den Unterschied zwischen Gewinn und Verlust ausmachen."
Garcia und sein Team legen großen Wert darauf, dass die KI keine Vorurteile hat: "Die Technologie schaut weder auf die Hautfarbe noch auf das Geschlecht. Sie ordnet lediglich Waren Personen zu", sagt Garcia.
Auch der Datenschutz ist ein großes Thema: "Es werden keine Kundendaten gespeichert. Außerdem läuft die Technologie direkt beim Händler."
Aktuell wird das System in mehreren Schweizer Filialen getestet. Der Entwickler sieht noch Luft nach oben: "Ziel ist es, den Energieverbrauch weiter zu senken und die KI so zu trainieren, dass sie auch andere Arten von Diebstählen sowie Gewalt oder Missbrauch unter Kundschaft oder Personal erkennen kann." Langfristig will Garcia seine KI-Lösung auch in ganz Europa einsetzen, um Ladendieben das Handwerk zu legen.