Wie wohnen wir in tausend Jahren? Fliegende Autos und Mega-Türme aus Glas sind ein beliebtes Zukunftsbild. Doch Infrastruktur-Ingenieure sehen die Städte von morgen deutlich bodenständiger - und vor allem klimafit.
Für Conor McDevitt von Turner & Townsend steht nicht Hightech im Vordergrund, sondern das Zusammenspiel von Mensch und Natur. "Ich stelle mir fußgängerfreundliche Städte und offene Grünflächen vor, verbunden durch effiziente Verkehrsverbindungen wie Einschienenbahnen", sagt er in einer Umfrage der Ingenieurs-Organisation ICE.
McDevitt betont den Versorgungssektor: Eine wachsende Weltbevölkerung brauche eine leistungsfähige Energie- und Wasser-Infrastruktur. Gerade neue Technologien wie Rechenzentren verschlingen enorme Mengen an Wasser für Kühlung.
Auch für Berater Chris Landsburgh von AECOM ist der Wandel längst im Gang. "Das Klimarisiko ist mittlerweile eine zentrale Designbeschränkung", erklärt er. CO2-Reduktion, Klimaresilienz und Naturschutz seien keine freiwilligen Extras mehr, sondern "messbare Anforderungen an jedes Bauprojekt".
Doch Vision allein reiche nicht. Budgets, Zeitpläne und Verträge müssten mitziehen. Nur wenn Nachhaltigkeit auch wirtschaftlich tragfähig ist, setzt sie sich durch, sagt Landsburgh.
Benson Hung vom VTC in Hongkong sieht die Zukunft in intelligenten Systemen. Ingenieure brauchen verstärkt Kompetenz in Datenanalyse, um Wartung vorherzusagen und Leistungen zu optimieren. Technologien wie "Building Information Modeling" (eine Arbeitsmethode zur Planung von Bauwerken mittels Software) oder künstliche Intelligenz werden zum Standard.
Für Jananie Balapitathees vom Ingenieurbüro Jacobs schaffen digitale Werkzeuge Freiraum für Kreativität. "Wenn wir weniger Zeit mit Excel-Tabellen verbringen, bleibt mehr Raum für echte Ingenieursarbeit", sagt sie. "Digitale Zwillinge" von realen Gebäuden oder Augmented Reality könnten Planungen präziser und effizienter machen.
Gleichzeitig dürfe man das Wissen vergangener Generationen nicht vergessen. Als Beispiel nennt sie den Eiffelturm: Würde man ihn einschmelzen, würde das Material seinen Sockel nur wenige Zentimeter hoch bedecken - ein Meisterwerk sparsamer Bauweise.