Die Suche nach einer zweiten Erde könnte bald einen gewaltigen Schub bekommen. Ein internationales Forschungsteam, zu dem auch der Innsbrucker Astrophysiker Stefan Kimeswenger gehört, präsentiert im Fachjournal "Nature Astronomy" einen spektakulären Vorschlag: Ein riesiger, blumenförmiger Sonnenschirm soll im Weltall das Licht ferner Sterne abschirmen.
Das Problem bei der Beobachtung von Exoplaneten: Sie werden vom grellen Licht ihres Sterns überstrahlt und leuchten selbst nur schwach. Genau hier setzt die Idee an. Ein knapp 100 Meter großer, exakt positionierbarer Beschattungs-Satellit (genannt "Starshade") soll das Sternenlicht blockieren, damit Teleskope auf der Erde den jeweiligen Planeten besser analysieren können.
Laut Machbarkeitsstudie müsste sich der sogenannte "Starshade" in rund 200.000 Kilometern Entfernung zur Erde befinden und sich mit einer Genauigkeit von nur zwei Metern ausrichten lassen. Mit an Bord des spannenden Projekts sind auch die Physik-Nobelpreisträger Michel Mayor und John Mather.
Besonders raffiniert: Der "Sonnenschirm" soll nicht kreisrund sein, sondern die Form einer Blume mit etwa 30 Blütenblättern haben. Der Grund: Bei einer echten Kreisform wäre die Beugung des Lichts am Rand fast so hell wie der Stern selbst. Die gezackte Blütenform verteilt die Lichtbeugung hingegen in viele Richtungen und schwächt sie deutlich ab.
Kombiniert mit einem leistungsstarken Teleskop wie dem "Extremely Large Telescope" (ELT), das derzeit in Chile entsteht, könnte so genügend Licht gesammelt werden, um die Atmosphäre erdähnlicher Exoplaneten spektroskopisch zu untersuchen.
Noch ist das Projekt "Starshade" Zukunftsmusik. Zunächst soll ein strategischer Fahrplan erarbeitet werden. Voraussetzung sind Finanzierungsentscheidungen von Raumfahrtagenturen wie ESA oder NASA. Realistisch wäre eine Umsetzung laut Forschern frühestens ab 2045.
Fakt ist: Ob wir tatsächlich einmal eine zweite Erde finden, ist offen. Die Technik dafür nimmt jedenfalls schon konkrete Formen an - in Gestalt einer riesigen Blume im All.