Nicht nur Autofahrer müssen tiefer in die Tasche greifen – die Teuerung macht auch vor Öffi-Fahrgästen nicht halt. Ab 1. Jänner 2027 steigen die Ticketpreise der Wiener Linien erneut an. Die Jahreskarte kostet dann 483,10 Euro statt bisher 467 Euro.
Die Zeiten der berühmten 365-Euro-Jahreskarte sind vorbei. Fast 14 Jahre lang konnten Wiener für umgerechnet einen Euro pro Tag mit den Öffis fahren – Ende 2025 war damit Schluss. Innerhalb von zwei Jahren steigt der Preis für die Jahreskarte nun um mehr als 32 Prozent an.
Auch Einzelfahrscheine werden teurer. Für ein digitales Ticket werden künftig 3,10 Euro fällig, für die Papierversion 3,30 Euro. Die ermäßigte Jahreskarte für Jugendliche, Senioren und weitere Berechtigte steigt auf 310,40 Euro.
Bei der Opposition sorgt die neuerliche Erhöhung für heftige Kritik. FPÖ-Stadtwerkesprecher Klemens Resch wirft SPÖ und NEOS vor, den öffentlichen Verkehr immer weniger leistbar zu machen.
"SPÖ und NEOS machen den öffentlichen Verkehr immer teurer und belasten damit ausgerechnet jene Wienerinnen und Wiener, die täglich darauf angewiesen sind", kritisiert Resch. Besonders sauer stößt dem Freiheitlichen auf, dass Fahrgäste bei Ratenzahlung mehr bezahlen müssen als bei einer Einmalzahlung.
Er fordert deshalb, die Preise für Ratenzahler einzufrieren. "Wer wenig Geld hat, zahlt am Ende mehr. Das ist ein Schlag ins Gesicht all jener Wiener, die ohnehin jeden Euro zweimal umdrehen müssen", so Resch.
Auch die Wiener ÖVP geht auf Konfrontationskurs. Landesparteiobmann Markus Figl und Verkehrssprecherin Elisabeth Olischar fordern einen Stopp der jährlichen automatischen Tariferhöhungen. Besonders hart treffe die Teuerung ältere Menschen, kritisiert ÖVP-Seniorensprecherin Ingrid Korosec. Die Senioren-Jahreskarte kostete 2025 noch 235 Euro, ab 2027 sind es 310,40 Euro. Das entspricht ebenfalls einem Plus von rund 32 Prozent.
Dazu kommt der Wegfall des vergünstigten Senioren-Einzelfahrscheins. Bis Ende 2025 kostete dieser 1,50 Euro. Künftig müssen Senioren für eine Einzelfahrt den regulären Preis von 3,10 beziehungsweise 3,30 Euro bezahlen.
"Gerade viele ältere Menschen kaufen ihr Ticket nicht am Smartphone. Sie zahlen damit darauf, nur weil sie analog unterwegs sind", kritisiert Korosec. Sie fordert die Wiedereinführung des vergünstigten Senioren-Einzelfahrscheins.
Kritik kommt auch von den Wiener Grünen. Die Parteivorsitzenden Judith Pühringer und Peter Kraus werfen der Stadtregierung vor, bei der Mobilität die falschen Prioritäten zu setzen. Besonders die Verteuerung des "31 Tage Wien Mobilpass" sei für Menschen mit geringem Einkommen problematisch. Die Grünen fordern deshalb eine Öffi-Preisbremse. "Schon letztes Jahr wurde die Jahreskarte um über 100 Euro erhöht. Jetzt lassen SPÖ und Neos die Jahreskarte wieder nach oben schnalzen", kritisieren Pühringer und Kraus.
Die Wiener SPÖ weist die Kritik entschieden zurück. SP-Gemeinderat Omar Al-Rawi verweist auf die hohe Qualität des öffentlichen Verkehrs in Wien. "Auch nach der Tarifanpassung fährt man bei uns um 1,32 Euro pro Tag unbegrenzt durch das gesamte Netz", so Al-Rawi. Die jährliche Anpassung sei notwendig, um das Öffi-Angebot langfristig abzusichern und größere Preissprünge zu vermeiden. Die Stadt unterstütze den öffentlichen Verkehr zudem jährlich mit mehr als einer Milliarde Euro.
Hinter der neuerlichen Verteuerung steckt ein bereits 2025 angekündigter Mechanismus. Ab 1. Jänner 2027 werden die Tarife der Wiener Linien jährlich an den Verbraucherpreisindex angepasst. Für 2027 beträgt die Erhöhung 3,45 Prozent.
Während FPÖ, ÖVP und Grüne die neuerliche Belastung der Fahrgäste kritisieren, verteidigt die SPÖ das Modell als langfristige Absicherung des öffentlichen Verkehrs. Für die Wiener steht jedenfalls fest: Die Zeiten der 365-Euro-Jahreskarte sind vorbei. Ab 2027 kostet sie um 118,10 Euro mehr als noch zwei Jahre zuvor.