Seit 40 Jahren analysiert er Unfälle für Gerichte, jetzt ist sein Ruf schwer beschädigt. Ein bekannter Gerichtssachverständiger aus Graz wurde von der Liste der gerichtlich zertifizierten Gutachter gestrichen.
Der Grund: ein rassistisches E-Mail und ein peinlicher Vorfall mit einer jungen Richteramtsanwärterin. Die Causa sorgte in der Justiz für massive Zweifel an seiner Vertrauenswürdigkeit.
Für Aufsehen sorgte zunächst ein E-Mail an eine muslimische Frau, die sich als Mitarbeiterin in einer Apotheke beworben hatte. Darin beschimpfte der Gutachter die Bewerberin laut Bericht der "Kleine Zeitung" als "Schleiereule". Das Mail wurde öffentlich und löste heftige Kritik aus. Der Sachverständige sprach später selbst von einem Fehler und sagte, es sei "ein völliger Schmarrn", dass ihm das passiert sei.
Kurz danach kam der nächste Vorwurf ans Licht. Eine Richteramtsanwärterin berichtete, sie sei im Mai 2024 nach einem Lokalaugenschein mit dem Gutachter im Auto unterwegs gewesen. Dabei habe er ihre Kurzhaarfrisur als "scharf" und "erotisch" bezeichnet. Zudem habe er sie während der Fahrt am Oberarm beziehungsweise an der Schulter berührt. Für die junge Justizbedienstete war das klar unpassend.
Der Beschuldigte erklärte später, er könne sich an den Vorfall nicht erinnern. Sexuell belästigt habe er niemanden. Es könne aber sein, dass er jemandem ein Kompliment mache, wenn jemand "fesch" sei. Die Berührung könne beim Reversieren passiert sein. Und das Wort "erotisch" verwende er angeblich auch, wenn er an einen unwirtlichen Ort komme und der Wind pfeife.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte schließlich die Streichung von der Liste. Dem Mann wird unter anderem "mangelnde Vertrauenswürdigkeit" und fehlende Einsicht vorgeworfen.
Ein Sachverständiger müsse unparteiisch sein und auch charakterlich über jeden Zweifel erhaben, heißt es in der Entscheidung. Ganz vorbei ist seine Karriere trotzdem nicht. Richter und Anwälte können den Grazer weiterhin als Gutachter beiziehen – wenn sie ihm noch vertrauen.