In der fernöstlichen Region Kamtschatka herrscht seit Tagen der Ausnahmezustand: Schneemassen begraben Autos und Häuser, Versorgungsengpässe belasten die Bevölkerung. Russische Medien sprechen von einer regelrechten "Schnee-Apokalypse". Allein in der Regionalhauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski wurden zwei Tote gemeldet.
Wissenschaftler machen unter anderem wiederkehrende Pazifik-Zyklone für das Schnee-Chaos verantwortlich - sie bringen enorme Feuchtigkeitsmengen und Kälte mit sich.
Der Gouverneur hat indes eine Krisensitzung einberufen. Grund: Eingeschneite Gewächshäuser, leere Supermarktregale, kein Nachschub bei Obst und Gemüse - Lieferwägen bleiben im Schnee stecken. In seinem Telegram-Kanal versuchte Gouverneur Wladimir Solodow, die Bevölkerung zu beruhigen, doch die Lage bleibt angespannt.
Besonders betroffen ist Kamtschatka, eine Region, die ohnehin für ihre Naturgewalten bekannt ist - Erdbeben, Vulkane und Tsunami-Gefahren sind dort keine Seltenheit. Doch so viel Schnee wie jetzt gab es seit rund 30 Jahren nicht mehr: In wenigen Tagen fielen Mengen, für die es sonst Monate braucht. Stellenweise türmen sich die Schneemassen bis zu fünf Meter hoch.
Schulen bleiben geschlossen oder stellen auf Fernunterricht um, Eltern wurden aufgerufen, ihre Kinder zu Hause zu behalten. Räumfahrzeuge sind im Dauereinsatz, doch vielerorts kommen sie kaum hinterher.
Auch Russlands Hauptstadt Moskau versinkt im Schnee: Bereits am 9. Jänner sprach der Wetterdienst von einem der schlimmsten Schneestürme seit 146 Jahren. Einsatzkräfte müssen sogar Hausdächer abräumen, um Schäden zu verhindern. Und: Die Wetterlage soll sich laut Meteorologen vorerst nicht bessern.
Globale Klimakrise und eisige Kälte
Auch wenn es auf den ersten Blick paradox wirkt: Der globale Klimawandel kann tatsächlich auch extreme Kältewellen wie aktuell in Kamtschatka begünstigen - und zwar durch Veränderungen in der Atmosphäre.
Kurz gesagt: Auch wenn es - wie derzeit in Russland und vielen Regionen Europas - eiskalt ist, kann das ein indirektes Resultat der globalen Erwärmung sein. Denn der Klimawandel sorgt in erster Linie für mehr Chaos im System.