Eingeschneit bis zum 9. Stock

"Schnee-Apokalypse" – Schon mehrere Tote in diesem Land

Meterhoher Schnee, geschlossene Schulen und Versorgungsnot: In Russland tobt ein Jahrhundertwinter - mindestens zwei Menschen kamen bereits ums Leben.
Bernd Watzka
19.01.2026, 13:07
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In der fernöstlichen Region Kamtschatka herrscht seit Tagen der Ausnahmezustand: Schneemassen begraben Autos und Häuser, Versorgungsengpässe belasten die Bevölkerung. Russische Medien sprechen von einer regelrechten "Schnee-Apokalypse". Allein in der Regionalhauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski wurden zwei Tote gemeldet.

Wissenschaftler machen unter anderem wiederkehrende Pazifik-Zyklone für das Schnee-Chaos verantwortlich - sie bringen enorme Feuchtigkeitsmengen und Kälte mit sich.

Lage extrem angespannt

Der Gouverneur hat indes eine Krisensitzung einberufen. Grund: Eingeschneite Gewächshäuser, leere Supermarktregale, kein Nachschub bei Obst und Gemüse - Lieferwägen bleiben im Schnee stecken. In seinem Telegram-Kanal versuchte Gouverneur Wladimir Solodow, die Bevölkerung zu beruhigen, doch die Lage bleibt angespannt.

Blick auf die besonders betroffene Stadt Petropawlowsk-Kamtschatski in Kamtschatka (Russland).
iStock (Archivbild)

Schneemassen bis zu fünf Meter hoch

Besonders betroffen ist Kamtschatka, eine Region, die ohnehin für ihre Naturgewalten bekannt ist - Erdbeben, Vulkane und Tsunami-Gefahren sind dort keine Seltenheit. Doch so viel Schnee wie jetzt gab es seit rund 30 Jahren nicht mehr: In wenigen Tagen fielen Mengen, für die es sonst Monate braucht. Stellenweise türmen sich die Schneemassen bis zu fünf Meter hoch.

Schulen bleiben geschlossen oder stellen auf Fernunterricht um, Eltern wurden aufgerufen, ihre Kinder zu Hause zu behalten. Räumfahrzeuge sind im Dauereinsatz, doch vielerorts kommen sie kaum hinterher.

Auch Moskau versinkt im Schnee

Auch Russlands Hauptstadt Moskau versinkt im Schnee: Bereits am 9. Jänner sprach der Wetterdienst von einem der schlimmsten Schneestürme seit 146 Jahren. Einsatzkräfte müssen sogar Hausdächer abräumen, um Schäden zu verhindern. Und: Die Wetterlage soll sich laut Meteorologen vorerst nicht bessern.

Globale Klimakrise und eisige Kälte

Auch wenn es auf den ersten Blick paradox wirkt: Der globale Klimawandel kann tatsächlich auch extreme Kältewellen wie aktuell in Kamtschatka begünstigen - und zwar durch Veränderungen in der Atmosphäre.

1
Störung des Polarwirbels
Durch die Erwärmung der Arktis gerät der sogenannte Polarwirbel (ein kalter, stabiler Windring rund um den Nordpol) immer öfter aus dem Gleichgewicht. Wird dieser instabil, kann eisige Polarluft nach Süden ausbrechen – etwa über Sibirien oder Kamtschatka. Das führt lokal zu extrem tiefen Temperaturen.
2
Mehr Energie in der Atmosphäre
Der Klimawandel bringt mehr Feuchtigkeit und Energie in die Atmosphäre. Das kann intensivere Wetterlagen begünstigen – also stärkere Zyklone und heftigere Schneefälle, wie sie jetzt in Kamtschatka beobachtet werden. Mehr Feuchtigkeit in der Luft bedeutet bei Kälte auch mehr Schnee.
3
Häufigere Wetterextreme
Grundsätzlich führt die Klimaerwärmung weltweit zu extremen Wettermustern – sowohl zu Hitze- als auch zu Kälteextremen. Regionen wie Kamtschatka, die an der Schnittstelle von Pazifik und arktischem Einfluss liegen, sind besonders anfällig für solche Ausschläge.

Klimakrise als Mitverursacher von Dauerfrost

Kurz gesagt: Auch wenn es - wie derzeit in Russland und vielen Regionen Europas - eiskalt ist, kann das ein indirektes Resultat der globalen Erwärmung sein. Denn der Klimawandel sorgt in erster Linie für mehr Chaos im System.

{title && {title} } bw, {title && {title} } Akt. 22.01.2026, 17:56, 19.01.2026, 13:07
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