Kontinent driftet auseinander

Schock-Studie – "Wiege der Menschheit" zerbricht

Im Turkana-Graben in Ostafrika wird die Erdkruste immer dünner - langfristig wird Afrika wohl an dieser Stelle auseinanderbrechen.
Bernd Watzka
28.04.2026, 12:09
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Der Turkana-Graben gilt als eine der wichtigsten Regionen der Menschheitsgeschichte. Hier wurden zahlreiche Fossilien unserer frühesten Vorfahren entdeckt. Doch unter der Oberfläche des Gebiets brodelt es gewaltig.

Forscher finden deutliche Zeichen

Neue Untersuchungen zeigen jetzt: Die Erdkruste in dieser Region ist deutlich dünner als bisher angenommen. Für Forscher ist das ein neues, klares Zeichen, dass der Kontinent dort langsam auseinanderdriftet. Die Studie dazu wurde im Fachjournal "Nature Communications" veröffentlicht.

Aktive kontinentale Grabenbrüche in Ostafrika.
Christian M. Rowan et al.

Jedes Jahr fast 5 Millimeter

Der Turkana-Graben erstreckt sich über Teile von Kenia und Äthiopien und ist 500 Kilometer breit. Er gehört zum Ostafrikanischen Grabensystem, das sich quer durch den Kontinent zieht. Hier bewegen sich die Afrikanische und die Somalische Platte jedes Jahr um etwa 4,7 Millimeter auseinander.

Was wenig klingt, hat enorme Folgen: Die Erdkruste wird gedehnt, reißt auf und lässt Magma aus der Tiefe aufsteigen - bis es zur gewaltsamen Trennung der Landmassen kommt.

Klare Signale für Bruch

Besonders brisant: Entlang der Bruchlinie ist die Erdkruste nur noch 13 Kilometer dick. Zum Vergleich: Abseits des Grabens misst sie mehr als 35 Kilometer. Für die Forscher ist das ein klares Signal, dass der Prozess bereits weit fortgeschritten ist.

Studienleiter Christian Rowan erklärt, dass die Region eine entscheidende Schwelle erreicht hat. Die Erdkruste wird immer schwächer - und damit anfälliger für weitere Risse. Irgendwann könnte sie komplett auseinanderbrechen.

Prozess über Millionen Jahre

Ganz so schnell geht das Auseinanderbrechen aber nicht: Der Prozess läuft über Millionen Jahre. Schon vor 45 Millionen Jahren begann sich die Region zu verändern. Erst vor vier Millionen Jahren setzte die entscheidende Ausdünnung ein. Am Ende könnte hier ein neuer Ozean entstehen, wenn Wasser vom Indischen Ozean einströmt.

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