Jean Alesi ist fassungslos. Der frühere Formel-1-Pilot kann nicht nachvollziehen, dass das Qualifying in Spielberg nach dem Unfall von Max Verstappen am Samstag nicht unterbrochen wurde.
"Das sendet eine schreckliche Botschaft an alle, die in der Formel 1 fahren, besonders an die jüngere Generation", kritisierte der Franzose.
Verstappen hatte im Q3 in der vorletzten Kurve wegen eines Problems am Heckflügel die Kontrolle über seinen Boliden verloren und war im Reifenstapel gelandet. Die Rennleitung entschied sich im Bereich der Unfallstelle allerdings nur für "Single Yellow", eine Rote Flagge blieb aus.
Für die übrigen Fahrer bedeutete das: Geschwindigkeit reduzieren und auf eine mögliche Richtungsänderung vorbereitet sein. George Russell konnte trotz des Verstappen-Crashs seine Runde beenden und sich die Poleposition in Spielberg sichern.
Alesi übte nun gegenüber der "Corriere della Sera" scharfe Kritik an dieser Entscheidung. "Der Ausgang des Rennens wurde durch ein kompromittiertes Qualifying entschieden. Dass nach dem Unfall von Max Verstappen nicht sofort eine Rote Flagge gezeigt wird, obwohl ein verunfalltes Auto am Streckenrand steht, lässt mir die Haare zu Berge stehen", sagte der 201-fache Grand-Prix-Starter.
Für Alesi geht es dabei nicht nur um die sportliche Fairness, sondern vor allem um die Sicherheit. "Hier geht es nicht darum, sich an die Herangehensweise des Rennleiters anzupassen, sondern darum, zu fordern, dass solche Situationen nie wieder vorkommen", erklärte der 61-Jährige.
Besonders drastisch fiel sein Vergleich mit dem tragischen Unfall von Jules Bianchi aus. "Es ist, als hätte es die Tragödie von Jules Bianchi 2014 nie gegeben. Das ist wirklich schändlich", so Alesi.
Bianchi war beim Großen Preis von Japan 2014 bei Gelber Flagge in das Heck eines Bergungsfahrzeuges gekracht. Knapp ein Jahr später erlag der Franzose den Folgen seiner schweren Verletzungen.