Dramatische Eskalation bei den Schülerprotesten in Frankreich: Während viele Jugendliche friedlich für bessere Bedingungen an ihren Schulen demonstrieren, kam es am Donnerstag erneut zu schweren Gewalttaten. Besonders heftig war die Lage in Marseille.
Dort wurde nach Angaben von Behörden ein Schulleiter angegriffen und mit Benzin übergossen. An mindestens zwei Schulen wurde außerdem Feuer gelegt.
Der Angriff ereignete sich am Gymnasium Victor Hugo in Marseille. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass der Schulleiter dabei verletzt wurde. Weitere Einzelheiten zu seinem Zustand wurden zunächst nicht genannt.
Nur wenige Kilometer entfernt kam es zu einer weiteren dramatischen Szene: Am Saint-Exupéry-Gymnasium rückten Feuerwehrleute aus, um einen Brand zu löschen. Doch die Einsatzkräfte wurden selbst zum Ziel.
Nach Angaben der Polizei umzingelten Hunderte junge Menschen das eingetroffene Feuerwehrauto. Die Angreifer zwangen die Feuerwehrleute, das Fahrzeug zu verlassen und zu fliehen. Anschließend wurde das Feuerwehrauto in Brand gesetzt.
Auch in anderen französischen Städten kam es zu Ausschreitungen. In Nantes brannte die Eingangshalle eines Gymnasiums. Aus mehreren Städten wurden brennende Mülltonnen gemeldet, zudem gab es Berichte über Angriffe auf Busse und Haltestellen. In Saint-Denis bei Paris zündeten Demonstranten Feuerwerkskörper, die Polizei setzte Tränengas ein.
Am Donnerstag weitete sich die Bewegung auch auf Universitäten aus. Nach Angaben der Gewerkschaft Union Étudiante gab es an rund 30 Campussen Blockaden.
Wegen der wachsenden Proteste und der Gewalttaten berief Frankreichs Premier Sébastien Lecornu eine Krisensitzung mit mehreren Ministern ein. Innenminister Laurent Nuñez sprach von einem "erheblichen Anstieg der Gewalt, Angriffe auf Einsatzkräfte, Sachbeschädigungen und Angriffe auf Einrichtungen".
Die Vorfälle markieren eine weitere Verschärfung der Proteste, die Frankreich seit Tagen beschäftigen. Wie bereits berichtete, waren am Mittwoch 356 Schulen betroffen, 625 Menschen wurden festgenommen und 83 Polizisten und Gendarmen verletzt.
Seit Beginn der Proteste wurden laut Bildungsministerium zudem 119 Schüler, Lehrer und Aufsichtskräfte verletzt.
Gleichzeitig verlief ein Teil der Proteste friedlich. Die Forderungen der Schüler: Mehr Personal, bessere Schulgebäude und kleinere Klassen. Hintergrund sind Klagen über Lehrermangel, fehlende Materialien, marode Gebäude und überfüllte Klassen.