"Sie haben es verkackt"

Schockierende Szenen bei Hinrichtungs-Fail von Pike

Christa Pike sollte mit einer Giftspritze hingerichtet werden, doch auch nach 2 Dosen lebte sie noch. Zeugen erzählen, was in der Todeskammer geschah.
André Wilding
01.10.2026, 15:40
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Christa Pike liegt auf einer Trage, das tödliche Mittel wurde bereits verabreicht. Doch dann hebt die zum Tode verurteilte Frau plötzlich ihren Kopf und klagt über Schmerzen und ein Brennen im Arm.

Reporterin Catherine Sweeney, die als Zeugin dabei war, fasste die Szenen später so zusammen: "Alles was ich sagen kann ist, dass sie zwei Runden durchgemacht haben und sie am Ende noch geatmet hat. Sie hob den Kopf und sah sich um. Sie sagte, es gäbe eine Stelle die brennt und wehtut und fragte, ob das normal sei. Nichts davon war normal."

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Am 30. September sollte Pike in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee hingerichtet werden. Es wäre die erste Hinrichtung einer Frau in dem Bundesstaat seit mehr als 200 Jahren gewesen. Doch auch nach zwei Giftspritzen lebte die 50-Jährige noch. Schließlich wurde sie in ein Krankenhaus gebracht.

Pike spricht ihre letzten Worte

Journalisten waren als Medien-Zeugen bei der geplanten Hinrichtung zugelassen. Kurz vor 19.30 Uhr Ortszeit öffneten sich die Vorhänge zur Exekutionskammer. Pike war auf einer Trage festgeschnallt.

Dann sprach sie laut dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" ihre letzten Worte: "Ich werde diese Welt so verlassen, wie ich den Großteil meines Lebens verbracht habe. Und zwar mit Liebe." Anschließend wurde ihr Pentobarbital injiziert. Das Mittel sollte Pike töten. Doch die Hinrichtung verlief nicht wie vorgesehen.

Laut der ebenfalls anwesenden Journalistin Tori Gessner schnarchte Pike zunächst und wurde danach wieder still. Um 20.05 Uhr sei der Vorhang zwischen den Journalisten und der Exekutionskammer endgültig geschlossen worden.

Die Reporter konnten Pike damit nicht mehr sehen. Sie sollen allerdings gehört haben, dass ihr eine zweite Dosis verabreicht wurde. Um 20.53 Uhr wurde laut CNN auch das Mikrofon in der Kammer ausgeschaltet. Die Journalisten mussten den Zeugenraum verlassen. Kurz darauf traf ein Krankenwagen ein, der Pike offenbar mitnahm, heißt es in dem Bericht.

Wo sie sich befindet und wie ihr Zustand ist, war zunächst nicht verlässlich bekannt. Auch ihre Unterstützer erklärten in der Nacht, nichts über ihren Zustand zu wissen.

Reporter fordert Antworten

Bei den anwesenden Journalisten hinterließ der Ablauf zahlreiche offene Fragen. "Wir haben viele Fragen", sagte Reporter John North laut dem Nachrichtenmagazin. "Und die Strafvollzugsbehörde muss der Öffentlichkeit viele Antworten geben."

Schon vor der geplanten Hinrichtung hatte Pikes Verteidigung versucht, die Vollstreckung mit der Giftspritze zu verhindern. Die Anwälte argumentierten im August, Pike leide an einer Blutkrankheit. Eine Hinrichtung mit der Giftspritze stelle deshalb ein "verfassungswidriges Risiko" dar, heißt es im "Spiegel".

Der Richter folgte dieser Argumentation nicht und erlaubte die Hinrichtung mit der Giftspritze. Ob Pikes Erkrankung etwas mit den späteren Komplikationen zu tun hatte, ist nicht geklärt.

Seit 1996 zum Tode verurteilt

Pike wurde 1996 zum Tode verurteilt, weil sie ihre Mitschülerin Colleen Slemmer gemeinsam mit einem Komplizen ermordet hatte. Pike war damals 18 Jahre alt.

Slemmer wurde unter anderem ein Pentagramm in die Brust geritzt, bevor ihr der Kopf eingeschlagen wurde. Pike wurde wenige Tage später festgenommen. Sie hatte ein Stück des Schädelknochens mitgenommen und soll damit geprahlt haben. Eine Zeitung beschrieb Pike damals mit einem "Engelsgesicht" und einem "Teufelsherz".

Gericht stoppte Hinrichtung zunächst

Nach rund 30 Jahren im Gefängnis rückte vor der geplanten Hinrichtung auch Pikes Vergangenheit in den Fokus. Ihre Verteidigung führte in einem Gnadengesuch an, dass Pike als Kind missbraucht und als Jugendliche mehrfach vergewaltigt worden sei. Ihre Anwälte argumentierten, sie sei nicht nur Täterin, sondern selbst Opfer gewesen.

Der Gouverneur lehnte das Gnadengesuch ab. Rund eine Stunde vor der geplanten Hinrichtung stoppte ein Gericht die Vollstreckung dennoch vorübergehend. Wenige Stunden später gab der Oberste Gerichtshof der USA wieder grünes Licht. Die Hinrichtung führte dennoch nicht zu Pikes Tod.

Weitere Hinrichtung ausgesetzt

Wie es nun mit Pike weitergeht, ist offen. Der Gouverneur von Tennessee setzte eine weitere geplante Hinrichtung vorerst aus. Der Bundesstaat äußerte sich zunächst nicht dazu, wie im Fall Pike weiter vorgegangen werden soll.

Probleme bei Hinrichtungen gab es auch zuvor bereits. So kam es etwa vor, dass keine geeignete Vene für die Giftspritze gefunden wurde. In solchen Fällen wurde die Vollstreckung verschoben und eine andere Methode angewandt.

Mutter des Opfers: "Es war Chaos"

Unter den Zeugen der gescheiterten Hinrichtung befand sich auch May Martinez, die Mutter des Opfers Colleen Slemmer. "Es war Chaos", sagte sie am Donnerstag. Martinez hatte laut "Spiegel" zuvor mehrfach erklärt, dass sie Pikes Hinrichtung wolle. Im August sagte sie: "Sie hat das Verbrechen begangen. Ich finde, sie sollte dafür bezahlen."

Nach dem gescheiterten Versuch wurde sie laut dem Nachrichtenmagazin gefragt, welche Botschaft sie nun an den Gouverneur und den Generalstaatsanwalt von Tennessee habe. Ihre Antwort: "They fucked up" – "Sie haben es verkackt."

wil,01.10.2026, 15:40
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