Unter dem Motto "Lurch raus, Schuppen ab!" feiert das Naturhistorische Museum Wien (NHM) die feierliche Eröffnung seiner generalsanierten Schausäle für Amphibien und Reptilien. Nach rund eineinhalb Jahren intensiver Renovierung erstrahlen die Säle 27 und 28 im zweiten Stock des Museums in neuem Glanz – sowohl architektonisch als auch inhaltlich.
Ein Großteil der Arbeiten geschah dabei hinter den Kulissen – und mit viel Liebe zum Detail: Die Böden wurden saniert, modernste LED-Beleuchtung installiert und sämtliche Vitrinen technisch und ästhetisch überarbeitet. Die beiden Restauratorinnen Anna Boomgaarden und Franziska Schubert waren für die sorgfältige Wiederherstellung der kunstvollen Deckenmalereien, Wanddekorationen und historischen Bausubstanz verantwortlich.
"Wir hätten die neue Dauerausstellung genauso gut 'Begnadet für das Schöne' nennen können, denn unsere pickeligen Kröten, schuppigen Alligatoren und schleimigen Kaulquappen erstrahlen endlich wieder in vollem Glanz", meint die Generaldirektorin und wissenschaftliche Geschäftsführerin Katrin Vohland mit einem Augenzwinkern.
Die herpetologische Sammlung des NHM zählt zu den bedeutendsten ihrer Art. Seit 1806 wissenschaftlich betreut, umfasst sie rund 200.000 Präparate – von denen rund 1.000 besonders sehenswerte Exemplare nun in der neugestalteten Dauerausstellung gezeigt werden.
Ein 5,5 Meter langer Dunkler Tigerpython zieht schon beim Betreten der Säle die Blicke auf sich – wer nach oben schaut, entdeckt zudem kunstvolle Deckenmalereien und schwebende Exponate wie Meeresschildkröten und Schlangenskelette.
Sammlungsleiterin Silke Schweiger ist stolz: "Ein besonderes Highlight ist das Juwelen-Chamäleon, das die außergewöhnliche Weltreisende Ida Pfeiffer 1859 auf Madagaskar sammelte. Die Vorstellung, dass sie im Reifrock über die Insel streifte und dort dieses Tier entdeckte, ist einfach unglaublich."
Auch die berühmte Siebenrock-Schildkrötensammlung mit aufklappbaren Panzern, die das Innenleben der Tiere sichtbar macht, fasziniert die Besucher. Ein weiterer Publikumsliebling: das detailverliebte Moorfrosch-Diorama, gestaltet von Präparatorin Melina Haring. Besonders spannend ist dabei die Laichzeit, wenn sich die Männchen intensiv blau färben.
Ergänzt wird die neue Dauerausstellung durch eine interaktive Station auf "Deck 50". Dort lädt eine überdimensionale, magentafarbene Kröte Groß und Klein zum Mitmachen ein. Besucher können hier nicht nur die heimischen Arten in Ton und Bild entdecken, sondern auch aktiv am Citizen Science Projekt "Amphibien und Reptilien in Österreich unter Beobachtung" teilnehmen.
Seit mehr als 35 Jahren werden Fundmeldungen der in Österreich heimischen Amphibien- und Reptilienarten gesammelt. Dabei ist man auf die Mithilfe der Besucher angewiesen. 41 Prozent der Amphibien (Lurche) sind vom Aussterben bedroht.