Vor rund 1.500 Jahren wütete die "Justinianische Pest" im Römischen Reich - die erste große Pandemie der Menschheitsgeschichte. Ausgelöst durch Pestbakterien (Yersinia pestis) wütete sie ab 541 n. Chr. 200 Jahre lang in Nordafrika, Vorderasien und Europa. Sie raffte 20 bis 50 Prozent der Bevölkerung dahin und stürzte das Reich in eine schwere Krise.
Ein internationales Forscherteam unter Leitung des Österreichers Johannes Preiser-Kapeller (ÖAW) hat historische Quellen, archäologische Funde, Klimadaten und genetische Analysen zusammengeführt - und kam zu einem erstaunlichen Ergebnis: Der Ursprung der Pest liegt in Zentralasien, genauer im heutigen Westchina. Dort fanden Forscher den frühesten Nachweis des Erregers in menschlichen Überresten.
Von dort aus könnte sich die Krankheit auf zwei Wegen in den Mittelmeerraum ausgebreitet haben: Entweder über Handelsrouten nach Indien und weiter per Schiff nach Ägypten - oder schon Jahrhunderte früher nach Ostafrika, wo sich die Bakterien zu aggressiveren Stämmen entwickelten. Sicher ist: Von Ägypten aus breitete sich die Seuche dann wie ein Lauffeuer im gesamten Römischen Reich aus.
Begünstigt wurde die Pandemie durch die politischen und klimatischen Umstände: Kriege, Pilgerreisen und Handel erhöhten die Mobilität der Menschen. Gleichzeitig löste ein Vulkanausbruch um 536 die sogenannte "Spätantike Kleine Eiszeit" aus - eine Phase kälteren und instabilen Klimas, die das Risiko neuer Krankheiten stark erhöhte.
Fakt ist: Die Pest teilt ein erstaunliches Detail mit Covid-19: auch das Coronavirus nahm - fast 1.500 Jahre später - seinen Ausgang in China.