Ines Vasku schreibt gegen etwas an, das man nicht besiegen kann – aber vielleicht begreifbar machen. Die 34-jährige Autorin aus Loosdorf (Bezirk Melk, Niederösterreich) lebt mit Multipler Sklerose, ist Palliativpatientin und verbringt einen Großteil ihres Tages im Bett. Ihr Körper wird dabei von Tag zu Tag schwächer, die Schmerzen stärker. Und doch hält sie an etwas fest, das ihr geblieben ist: den Worten. "Schreiben ist für mich nicht nur ein Hobby. Schreiben ist mein Überlebensanker", sagt sie.
Bereits im Sommer wurde ihre Geschichte in "Heute" bekannt. Damals ging es um Unterstützung für ein behindertengerechtes Auto, um ein Stück Selbstständigkeit in einem Leben, das immer enger wird. "Ich will nicht nur im Bett liegen und Schmerzen haben", sagte sie damals – ein Satz, der viele berührte und eine Welle der Hilfe auslöste.
Ines Vasku bedankt sich jetzt für alle "Heute"-Leser, die ihrem Spendenaufruf im Vorjahr gefolgt sind. "Dank der Unterstützung vieler Leserinnen und Leser sowie verschiedener Unternehmen konnten wir uns den Traum von einem behindertengerechten Bus erfüllen. Dafür möchten wir uns noch einmal von Herzen bedanken." Heute ist dieser Bus Realität, ermöglicht Arztbesuche und gibt ihr zumindest ein kleines Stück Bewegungsfreiheit zurück.
Doch ihr Alltag bleibt geprägt von Einschränkungen. Vasku ist auf den Rollstuhl angewiesen. Gehen kann sie nur noch zwei, drei Schritte – an der Hand einer anderen Person. Danach versagen die Beine. Mit 18 wurde bei ihr Multiple Sklerose diagnostiziert. Die Diagnose Brustkrebs kam vor eineinhalb Jahren hinzu. Inzwischen wurden ihr beide Brüste operativ entfernt. Eine Chemotherapie rieten ihr Ärzte ab, wie sie im "Heute"-Gespräch nüchtern erklärte: "Eine Chemo hätte ich nicht überlebt."
Selbst Dinge, die für viele selbstverständlich sind, drängen sie an ihre körperliche Grenze. Ein Konzertbesuch in Wien, ermöglicht durch die Organisation "Rollende Engel", wurde für sie zu einem bittersüßen Erlebnis, erzählt Vasku im "Heute"-Gespräch.
„Konzerte sind Momente, in denen ich mich lebendig, frei und dem Leben wieder näher gefühlt habe.“Ines VaskuChronisch kranke Autorin
"Konzerte waren für mich nie einfach nur Veranstaltungen – sie sind Momente, in denen ich mich lebendig, frei und dem Leben wieder näher gefühlt habe. Auf der Heimfahrt wurde mir bewusst, dass es vermutlich eines meiner letzten Konzerte gewesen sein wird." Der Körper der Schwerkranken macht nicht mehr mit, längeres Sitzen wird zur Qual, Erschöpfung prägt die Tage danach.
Trotzdem schreibt sie weiter. Fast elf Jahre nach ihrer ersten Biografie "Und ich lebe noch!" hat die 34-Jährige nun ihr neues Buch fertiggestellt: "Verfallsdatum 20**". Darin schreibt sie noch persönlicher, noch tiefer über ihr Leben. Es ist ein Buch über Krankheit, aber auch über Selbstbestimmung, Grenzen und darüber, wie man Würde bewahren kann, wenn das Leben zerbrechlich wird. "Im Mittelpunkt steht mein Leben mit meinen Erkrankungen, insbesondere der Multiplen Sklerose, und wie ich damit umgehe", sagt sie.
Neben ihrer Biografie hat sie auch Kinderbücher geschrieben, arbeitet an weiteren Texten. Gerade denkt sie sogar über einen fiktiven Roman nach. Schreiben gibt ihr Struktur, Halt und eine Form von Freiheit, die ihr Körper längst nicht mehr zulässt.
Trotz allem verliert Ines Vasku ihre Träume nicht aus den Augen. Einer davon ist besonders groß: Sie will Sängerin Céline Dion noch einmal live sehen. "Ich kann nicht mehr länger als ein bis drei Stunden sitzen ohne höllische Schmerzen. Aber ich würde wirklich alles dafür tun, Céline Dion noch einmal zu sehen."
Derzeit sammelt Vasku Spenden auf GoodCrowd, um sich neuen Schreibprojekten widmen zu können. Dafür braucht sie die richtige Software, einen leistungsstarken Computer, Lektor, Korrektor und Druckpatronen.