Die ZDF-Doku "37°" begleitet den jungen Oskar, der mit drei Müttern und zwei Vätern aufwächst. Für ihn ist das ganz normal. "Ich hab mehr Familienmitglieder als normale", sagt der Bub.
Zu Oskars Familie gehört auch Stiefbruder Valentin. Judith und Rita waren fünf Jahre lang ein Paar, ihre beiden Söhne stammen aus früheren Beziehungen. Außerdem spielt Adoptivmutter Andrea eine zentrale Rolle in Oskars Leben. Im Wochenrhythmus pendelt der Bub zwischen ihr und seiner leiblichen Mutter Judith. Wichtige Entscheidungen treffen die beiden gemeinsam.
Rechtlich sieht die Situation allerdings anders aus: Das deutsche Abstammungsrecht erkennt nur zwei Elternteile an. Das Sorgerecht haben Judith und Andrea. Dennoch fühlen sich auch Oskars leiblicher Vater Herbert, dessen Partner Christian und Judiths damalige Partnerin Rita gleichermaßen für ihn verantwortlich.
Dass bei fünf Bezugspersonen nicht immer alles reibungslos läuft, überrascht wenig. Adoptivmutter Andrea sagt offen: "Es ist immer etwas schwieriger", wenn Entscheidungen getroffen werden müssen, "weil so viele involviert sind."
Kennengelernt haben sich Judith, Rita und Herbert bei einer Vernissage. Dort stellte Judith ihm bei einem Bier eine ungewöhnliche Frage: Ob er sich vorstellen könne, Vater ihres Kindes zu werden.
"Ich war sehr überrascht", erinnert sich Herbert. Gemeinsam mit seinem Partner Christian entschied er sich schließlich dafür. "Ich bin nicht der Überzeugung, dass es gut ist, wenn ein Kind nicht weiß, wer sein Vater ist."
Auch Judith war ein männliches Vorbild wichtig. "Ich kann kein männliches Vorbild sein. So viele Baumhäuser kann man nicht bauen, so viel Fußball kann man nicht spielen, um das auszugleichen, was eine männliche Orientierungsperson geben kann." Deshalb freue sie sich, dass Oskar seine beiden Väter an seiner Seite hat.
Doch während die Kameras liefen, änderte sich alles. Judith und Rita trennten sich nach fünf Jahren Beziehung. Rita blieb mit ihrem Sohn Valentin in der gemeinsamen Wohnung, Judith zog mit Oskar aus – und kehrte zu ihrer Ex-Frau Andrea zurück.
Für Oskar ist das ein schwerer Einschnitt. Er findet die Trennung "schade" und vermisst vor allem seinen Stiefbruder Valentin.
In der Schule spricht Oskar kaum über seine außergewöhnliche Familie. Der Grund: "Ich hab Angst, dass die anderen gemein sind."